21. Januar 2009

Pane semplice - Brotbacken mit Herrn Peppinello

Der Herr Peppinello hat ja bekanntermaßen, gemeinsam mit dem Christkind, die Kitchen-Aid (die ich unbedingt brauchte) gesponsert. Nun fragt er hinterlistig: "Wo sind den die ganzen Wagenladungen Brot, die Du backen wolltest?" Er weiß, dass ich in der Aera "Prä-Kitchen-Aid" mehrfach versucht habe, Brot zu backen. Eins wurde schrecklicher als das andere. Demutsvoll blicke ich ihn an, und säusele: "Zeig' mir noch mal genau, wie ich den Teig zubereiten muss." Er hat frei, er hat gute Laune. Los geht's.

Zutaten
Weizenmehl, Type 405
Frischhefe
lauwarmes Wasser
Salz
Olivenöl

Jetzt fragst Du Dich bestimmt, wo denn die Mengenangaben sind. "Nach Gefühl", sagt der Herr Peppinello.
Bist Du gelernte/r Bäcker/in? Ich nicht. Er ja.
Soweit ich das sehe, verwendet er von dem Mehl etwas weniger als ein Kilo. Ich schätze so 3 Pfund (so ein Quatsch) eineinhalb Pfund. Er löst 1 Würfel Hefe in einem großen Glas (0,3l) lauwarmem Wasser auf. Salz nimmt er einfach aus dem Gefäß in die hohle Hand, es könnte ein Teelöffel sein. Dazu kommt ein Strahl Olivenöl. Er vermischt alles von Hand. Den restlichen Knetvorgang überlässt er der "Maschine". So nennt er die Kitchen-Aid.
Ich darf den Teig in einen kleinen Plastikeimer geben, und mit einem Deckel verschließen. Zwei Stunden später ist der Teig so weit aufgegangen, dass er den Deckel des Eimers hochdrückt. Herr Peppinello knetet erneut darin herum. Dann schließt er den Deckel und sagt: "Noch mal so ein, zwei Stunden." Ich frage: "Eine oder Zwei?"(Natürlich nach Gefühl, was denn sonst, ich Suppenhuhn.)
Wir heizen den Backofen auf 180 Grad vor. Auf dem Bild siehst du den "Rohling" (so nennt er das) bereits auf dem Backblech. Er schneidet ihn vierfach längs ein. Zack, zack, zack, zack geht das. Spätestens jetzt, hätte ich alles vermurkst.



Herr Peppinello stellt eine Schale mit heißem Wasser auf den Boden des Backofens. Es dampft. dann schiebt er das Blech mit dem "Rohling" hinterher, und zwar auf die zweite Schiebeleiste von unten.
Was macht er den jetzt? Er sucht im Schrank unter der Spüle nach einer Sprühflasche. Mit dem Wasser befeuchte ich normalerweis die Tischwäsche vor dem Mangeln. Er öffnet den Ofen, und sprüht die Ofenwände damit ein. "Das treibt den Teig hoch", erklärt er mir gnädigerweise, "und gibt eine lockere Krume. Du bleibst jetzt vom Ofen weg, und machst ihn nicht auf, bis ich es Dir sage." (Jawoll, Chef.)



Nach 30 (oder vielleicht 40) Minuten sieht es aus wie ein astreines Brot. Ich nerve mehrfach, indem ich wissen will, ob es nun raus kann. Weißt Du wie der Herr Peppinello das testet? Er nimmt das Brot aus dem Ofen, und presst mir die Unterseite an die Nasenspitze. Bevor ich schreien kann, fragt er: "Ist es heiß oder nicht?" "Nicht heiß!", stammele ich überrascht. "Dann ist es fertig", kommentiert er, und fügt hinzu: "Wenn Du es jetzt sofort anschneidest, bringe ich Dich um!"



Ich lasse es lieber nicht darauf ankommen.

Kommentare:

  1. Hallo Frau Peppinella

    ich finde Ihren Blog straordinario, liebe Italien (lebe jedes Jahr so ca zur Hälfte da) und habe mir vorgenommen so einige ihrer original italienischen Sachen nachzukochen..bzw backen (Panettone, mein Mann liebt ihn!!!) ( und das Kitchen Aid Thema hatten wir auch schon ;o)))
    Ihren Schreibstil finde ich auch super, aber bei dem Brot bin ich doch etwas verwirrt, bei der Mengenangabe vom Mehl....:Soweit ich das sehe, verwendet er von dem Mehl etwas weniger als ein Kilo. Ich schätze so 3 Pfund. (!!!???)
    Bei der Sache mit dem Gefühl bin ich auch so ein Suppenhuhn wie sie.

    AntwortenLöschen
  2. Herr Peppinello scheint etwas drastisch zu sein, was die Lehrmethoden angeht, aber das Brot sieht zum reinbeißen aus. Wieviel Mehl war es denn jetzt?

    AntwortenLöschen
  3. Huch! ich werde das sofort ändern. es soll heißen 3/4 kg, oder besser gesagt 1,5 pfund, oder 750 g. *grins

    herr peppinello ist immer drastisch in seinen maßnahmen. drastisch trifft es genau :-)

    AntwortenLöschen
  4. Und wenn es nicht fertig ist ... verbrenne ich mir dann die Nase?
    (Dann wird Herr Peppinello nicht mehr wissen wollen, wie ich aussehe!!!! Buhhhhhh...)

    AntwortenLöschen
  5. mirakulös, das mit der Nase. Ist halt doch eine Kunst, das Brotbacken.

    AntwortenLöschen
  6. Du schreibst herzerfrischend! :-)

    AntwortenLöschen
  7. GRINS ... das mit der Nase probier ich ...

    AntwortenLöschen
  8. Und - hat es gemundet??? Das steht leider noch nicht in Deinem Blog... Bin sehr gespannt. Schön, dass Du einen Mann zuhause hast, der backen kann - würde ihn zukünftig immer für diese Arbeiten einstellen. Meiner kann's leider nicht - er denkt immer, er kann's, aber hat es noch nie bewiesen und so lange er es noch nicht bewiesen hat, behaupte ich, dass er es nicht kann. Er behauptet auch immer, dass er kochen kann - und zwar viel besser als ich - aber auch das hat er noch nie bewiesen. Nein, halt, er hat schon mal Nudeln gekocht (aus dem Kochbuch) und die waren ok, vielleicht ein bisschen scharf, aber ok... Aber hinterher musste ich den ganzen Dreck in der Küche wegputzen... Ganz ehrlich, ich hab in meinem Leben noch nie so eine chaotische Küche nach einem Kochereignis gesehen, wie damals, als er kochte. Und er meinte: "So, ich hab jetzt gekocht und Du räumst dafür auf und spülst ab!" Super! Drum meide ich seitdem seine Kochkünste. :-)))

    AntwortenLöschen
  9. Das nächste Mal dann bitte ein Brot von dir, du weisst ja jetzt wie's geht. ;-)

    AntwortenLöschen
  10. @barbara: danke, meine liebe!

    @nathalie: ich glaube, er würde dich auch mit verbrannter nase nehmen, schon alleine wegen deiner guten küche

    @robert: ja. ich wollte (und will) das auch nicht so richtig glauben. er schaut mich jedoch nur verächtlich an, wenn ich an ihm zweifele

    @christel: probier' mal. es war wirklich nicht heiß. und ich dachte schon, der herr peppinello wollte mich verstümmeln.

    @kirsten: ja, das brot hat geschmeckt. der herr peppinello kann gut kochen. in seiner küche. nicht bei uns zu hause. in seiner küche hat er überdies auch immer lakaien, die für ihn alles wieder nett herrichten.

    @zorra: ich weiß auch nicht. ich habe keine angst vor komplizierten rezepten, aber bei brot...da bin ich dumm wie brot...:_)

    AntwortenLöschen
  11. so, und jetzt komme ich via anonyme köche (weil ich mich grade so über den fisch-parmesan-latte-süssstoff-vergleich aufgereicht habe) zu diesem illustren verein und was finde ich? eine wunderbar geschriebene brotbacklektion. werde weiterlesen. danke.

    AntwortenLöschen
  12. "aufgeregt" sollte da stehen. aber da ich via firefox hier nicht posten kann (die buchstaben, die ich bestätigen soll, scheinen im firefox nicht angezeigt zu werden, vielleicht kann man da was machen?), ist wohl was durcheinander geraten. sorry.

    AntwortenLöschen
  13. @katha: schön, dich hier zu sehen.:-) ich habe gerade "umami" gegoogelt. ichhielt es für eine neue ikebana-art, oder sushi-harakiri....bei "rio-Mare" sagen sie, sie fischen "dolphin-fair". ich bin jetzt genauso klug, wie vorher....und ehrlich gesagt: ich könnte auch ohne thunfisch leben....(und ich hasse kaffee mit milch!!!!)

    AntwortenLöschen
  14. was für eine nette Brotbackbeschreibung;-)))

    AntwortenLöschen
  15. Das mit der Nase, das ist ja ein Knaller. Brotteig ist schon angesetzt, ich MUSS das ausprobieren.

    AntwortenLöschen
  16. Ich hab das jetzt mal ausprobiert. Wie das geendet hat, kannst Du hier nachlesen:

    http://schnuppschnuess.typepad.com/manzfred/2009/03/nasenspitzenbrot-nach-art-der-peppinella-m.html

    Danke für das megag**le Rezept!

    AntwortenLöschen