13. Januar 2009

Garantiert: Der Epilog

Die Cantuccini sind weg. Atomisiert sozusagen. Ich habe nur einen Moment nicht hingeschaut. Und weißt Du, wer die alle gegessen hat? Nein, nein, es waren in diesem Fall weder "Keiner", noch "Niemand". Der Herr Peppinello sagt mir schließlich wer das war. Ja. Wir haben einen weiteren unsichtbaren Mitbewohner. Muss wohl verheiratet sein, wegen des komischen Doppelnamens : "Keine-Ahnung". Allmählich wird unsere Hütte zu klein für all diese Leute.....
Ich erzähle Dir jetzt, ob Du es hören willst, oder nicht (in meinem Food-Blog, der zum Laber-Blog zu verkommen droht), was während meines (phasenweise) suizidgefährdetem Wochenende alles über mich hereinbrach. Bereit?
Am Freitag, dem 9. Januar habe unsäglich schlechte Laune, verrichte haufenweise von mir gehasste Hausarbeiten, streite mit Herrn Peppinello im Großmarkt, mache meine Kinder blöd an und schreibe mir via Blog-Post den ganzen (kleinkarierten) Müll von der Seele, aber das weißt Du ja alles schon.
Am Samstag, dem 10. Januar bereite ich gemeinsam mit dem Herrn Peppinello unsere Arbeitsstätte auf einen Empfang am Sonntag vor. Es werden 85 Gäste erwartet (tatsächlich sind es hinterher einige mehr). 30 Personen sollen sitzen. Der Rest soll an Stehtischen und am Tresen verweilen (der Rheinländer ist ein Thekenhocker par excellence). Die Gastgeber wünschen das so. Bei uns gibt es normalerweise 60 Sitzplätze, also schleppen wir 30 Stühle nebst dazugehörigen Tischen in einen Nebenraum, und räumen 8 Stehtische hinein. Wir werkeln, dekorieren, wischen hier und da. Bauen Buffet-Tische auf.
Ich mangele (*grrrr) eine Flut von Tischwäsche. Und ziehe eine Schnute dabei. Der Herr Peppinello sagt, ich sei selber Schuld, ich hätte das schon längst erledigt haben können. Das stimmt zwar (im Kern), aber das will eine "Verdrängungskünstlerin" wie ich nicht wahrhaben. Ich drehe die Musik auf "volle Pulle" und höre 37 Mal "Alta marea" und "Amici mai" von Antonello Venditti. Dabei weine ich ein wenig (bei mir immer bittere Zornestränen, kleinkindähnlich). Für diejenigen, die nicht wissen, wer Venditti ist: Ein römischer Sänger mit Kultstatus, rangiert so ungefähr zwischen dem Papst und Francesco Totti. Italo-Herz-Schmerz vom Allerfeinsten.
Die Speisenfolge für den kommenden Tag ist einfach. Es gibt lediglich Brot, Broträder, verschiedene Käse, Leber- und Blutwurst, Sülze, Wienerle,Schmalz, Eier. Solches Zeug eben.
Und Rindfleischsuppe.
Für 85 Personen.
Das überlasst der Herr Peppinello grosszügigerweise mir. "Suppe kannst Du besser", sagt er.
Ich zerkleinere eine unübersichtliche Menge an Sellerie, Karotten, Kartoffeln, Möhren, Porree, Zwiebeln, Kartoffeln. Die 5,5 kg Rinderbrust zerteile ich in 3 gleichgroße Stücke und setze alles in drei Töpfen zu je 10 Litern auf. Ich freue mich höllisch darauf, morgen dieses ganze Fleisch von Hand in kleine Teile zu zerfitzeln. Venditti muß noch mal ran. Zum 38. Mal.
Irgendwann gehen wir heim. Ich dusche. Ich versuche meine Haare zu frisieren Leider hat Gott mir keine glatten Haare geschenkt und durch das ewige bearbeiten mit dem Glätteisen sind sie mittlerweile wie Stroh. Ich entdecke einzelne graue Haare. Der Wunderabdeckstift (für Augenränder) von Jean-Paul-Dings ist leer. Ich weiß zu diesem Zeitpunkt, dass ich morgen aussehen werde, wie eine Mischung aus Morticia Addams und Anna Magnani. Ich bin verzweifelt und gehe schlafen.
Am Sonntag, dem 11. Januar klingelt der Wecker im Viertel vor Sieben. Ich ziehe schwarze Klamotten an. Die passen hervorragend zu meiner Laune. Auch zu meinen Augenrändern. Ich mache mich auf den weg zu Arbeit, also nur die Treppe runter.
Ich fitzele das Fleisch klein, erhitze die Suppe nochmal. Kontrolliere den Gastraum. Herr Peppinello und ich legen Wurstplatten und den ganzen Krempel.
Der erste Gast (der Gastgeber) kommt um 10. Sarah und Christoph auch. Alle anderen um 11.
Wir arbeiten. Dabei verdränge ich meine Laune, denn ich kann wohl schlecht die Gäste anranzen. Alle essen und trinken und sind vergnügt. Ich habe keine Zeit zum essen, und würge 3 hartgekochte Eier hinunter.
Natürlich bekomme ich davon Magenschmerzen.
Am Nachmittag ist die Veranstaltung ("Neujahrsempfang") fast vorbei. Zwei hocken noch vor der Theke. Mit diesen Beiden war der Herr Peppinello schon mal eine Woche in Griechenland im Urlaub. Sie sind mehr als trinkfest. Der Herr Peppinello nicht. Nach sieben Tagen mit ihnen auf einer hellenischen Insel, sah er aus, als sei er dem Tod gerade so von der Schippe gesprungen.
Weil ich solche Magenschmerzen habe, trinke ich mit ihnen einen Ouzo. Dann noch einen. Ich verstehe das Deutsch des Griechen kaum, wenn er nüchtern ist. Wenn er getrunken hat schon gar nicht. Sie gehen nicht.
Wir trinken noch einen Ouzo, oder zwei.. .Irgendwann lasse ich den Herrn Peppinello mit den Beiden allein. Ich nehme eine Flasche Averna mit nach Hause, weil ich immer noch Magenschmerzen habe, und mittlerweile mehr als angeschickert bin.
Daheim rauche ich Unmengen von Zigaretten (bitte, nicht kommentieren; der Herr Peppinello ist Nichtraucher; er macht mir täglich die Hölle heiß wegen der Qualmerei).
Ich trinke einige Averna. Eine Menge. Ich weiß nicht mehr, wie viele.
Ich denke daran, dass ich am Montag eine Shopping-Tour machen werde, und am Dienstag einen Friseur-Termin habe.
Alles ist gut.
(Ich weiß, dass ich beschränkt bin)

....to be continued....

Kommentare:

  1. Immer wieder schön zu hören (und zu lesen), dass man nicht alleine ist auf dieser Welt!

    AntwortenLöschen
  2. Das ist ja bestes italienisches Drama – filmreif! Hab die beiden Venditti-Songs (kannte ich nicht) im Web abgespielt und alles nochmals gelesen und nochmals und nochmals. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, so wie sich das gehört. Danke, dass wir mit dir teilen dürfen!

    AntwortenLöschen
  3. Ja, ja, das Leben ist nicht einfach:-) :-)

    AntwortenLöschen
  4. Auch ohne Rezept einfach köstlich ;-).
    Das lenkt vom eigenen 'Zwischentief' ab.....
    VG,
    Claudia

    AntwortenLöschen
  5. @Essenslust: Sind wir nicht alle enorm leidensfähig? Südländer sind darin sogar unschlagbar.....:-)
    @Claudio: Ja. Es ist wie in Dante's Inferno. Manchmal. Inzwischen ist Venditti ad acta gelegt. Pino Daniele ist angesagt im Hause Peppinella ("Femmena" und "Io per lei")
    @Eva: Lach nicht!!!;-);-)
    @Claudia: Mein ganzens Leben besteht aus Zwischentiefs und Zwischenhochs...mit oder ohne Rezepte.

    AntwortenLöschen