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2. Dezember 2009

Sfogliatelle ricce fatte in casa – entblättert auf neapoletanisch

Die Sfogliatelle sind wohl, neben Baba’ und Profiterole, das typischste Gebäck Neapels. Es gibt Sfogliatelle frolle (Mürbeteig) und ricce (Millefoglie). Mundartlich heißen sie [:’e-schfull-ja-räll:]. Tja. Noch so ein Ding, nach dem wir ganz verrückt sind. Aber, selber backen? Keinen Schimmer.

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Meine Schwiegermutter sagt: “E sfuglirell’ nun sunghe da fa n’da casa..S’anna manja n’do pasticciere o n’do bar.” (Sfogliatelle sind nicht zum selber machen. Die isst man beim Pasticciere oder in der Bar.) Ja, ja…in Kampanien vielleicht, aber hier in Deutschland? Noch nie irgendwo gesehen beim Bäcker. Dabei belasse ich es. Zunächst. Aber dann lese ich bei Nicky von delicious days über ihren Trip nach Neapel. Dort erwähnt sie unter anderem Sfogliatelle. Erste Anzeichen einer Obsession machen sich breit. Ich denke darüber nach. Und denke. Tage später lese ich bei Claudio über einen Apfelstrudel. Er beschreibt den Ton, der erklingt, wenn man reinbeißt. Eine kleine süße Melodie erklingt in meinem Kopf. Tage vergehen. Die kleine Melodie wird zur großen Symphonie, aus der anfangs leichten Obsession wird eine wahre Manie. So geht es mir ständig. Ich träume nachts von Sfogliatelle ricce. Ich durchforste das Internet. Schließlich finde ich dieses Video von Luciana. Sie zeigt genau, was ich wissen will, nämlich wie die Sfogliatelle von Hand geformt werden. Es kann also losgehen in der Pasticcieria Peppinella.

Ingredienti/Zutaten (für 18 bis 20 Stück)

für den Teig:

  • 500g Mehl Typ 00 (oder Manitoba, habe ich natürlich nicht)
  • 200ml Wasser
  • 20g Akazienhonig
  • 1TL Salz
  • 150g Schmalz zum Fetten (“schminken”, sagt der Herr Peppinello)

für die Füllung (am nächsten Tag):

  • 200g Ricotta
  • 125g Weichweizengrieß (gekocht)
  • Mark von einer Vanilleschote
  • 125g Zucker
  • 1 Ei

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Ich vermische die Zutaten für den Teig (außer dem Schmalz). Da die Kitchen-Aid (genau wie Bolli es mir vor knapp einem Jahr prophezeit hatte) in Reparatur ist, walke ich den Teig von Hand. Nach einer halben Stunde Plackerei entsteht ein fester Laib. Den fette ich mit etwas Schmalz ein, wickele ihn in Frischhaltefolie und stelle ihn für 3 Stunden in den Kühlschrank.

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So. Drei Stunden vorbei. Ich teile den Teig in 3 gleich große Teile. Mit der Teigrolle bereite ich ihn vor für meine Nudelmaschine. Dort walze ich nacheinander die Teigstücke bis zur feinsten Stufe in elend lange dünne Blätter. das Fräulein Peppinella muß assistieren, weil das alleine nicht klappt. Wäre ich Barbapapa oder Barbamamma könnte ich meine Arme verlängern. Kann ich aber nicht. Nach mehrfachem, ansteigendem Schreien Rufen erscheint sie aus den Tiefen ihres Zimmers und hilft erstaunlicherweise bereitwillig mit (Anm.: Ich gönne jedem, der hier jetzt grinst mal für ein paar Wochen eine 14einhalb Jährige.) Wir lagern die langen Lappen auf unserem ausgezogenen Esstisch.

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Nacheinander werden sie von Hand gezogen, bis sie so dünn sind, dass ich durchgucken kann. (Wenn man zu schnell oder zu doll zeiht, reißt der Teig, kannst Du prima oben auf dem Foto sehen. Eigentlich geht alles einfacher als ich dachte. Der Teig ist sehr elastisch. Man braucht lediglich eine Menge Platz und eben soviel Geduld. Nun rolle ich die erste “Sfoglia” der länge nach auf, wie ..ähm…Klopapier, nur ohne die pappe in der Mitte. Vorher (wichtig!) wird die Oberfläche großzügig mit erwärmtem, flüssigem Schmalz eingestrichen. An diese Rolle werden nun die anderen Stücke jeweils angeschlossen und aufgerollt.

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So entsteht eine ungefähr zwei Hand breite Rolle mit einem Durchmesser von etwa 5 oder 6 cm.Wichtig ist, das nicht zu viel Luft zwischen die aufgerollten Schichten kommt. Hierzu bewege ich die  Rolle vorsichtig mit den Händen hin und her.Die beiden Enden schneide ich nun mit gerade ab. Dann wickele ich das Teil erneut in Frischhaltefolie und lege es für die nächsten 20 Stunden in den Kühlschrank.

Am nächsten Tag bereite ich zuerst die Füllung. Ich koche den Grieß kurz in leicht gesalzenem Wasser. Dabei überlege ich, wann ich zuletzt Grieß gekocht habe….Da waren die Kinder noch klein….Ich würde öfter Grieß kochen, wenn der Herr Peppinello sich nicht immer so anstellen würde…DAS GEHÖT NICHT HIERHIN. Streichen. Nicht immer so abschweifen. Also. Nachdem der Grieß ein wenig abgekühlt ist, gebe ich das Ei, die Ricotta, das Vanillemark und den Zucker dazu, und rühre alles zusammen, bis eine schöne Creme entsteht, von der ich einige Male koste. Besser, wenn ich sie schnell in den Kühlschrank stelle, sonst ist bald alles weg.

Füllung schnell in den Kühlschrank. Teigrolle raus. Ich bin gespannt. Ich schneide die Rolle in Scheiben. So 1,5 bis 2 cm dick. Ja. Brauchst nicht zu fragen, ich habe natürlich die Folie vorher entfernt, was denkst Du denn? Aha. Hier erschließt sich mir zum ersten Mal der großkotzige Begriff “Millefoglie”. Sind zwar keine 100 Schichten, aber ne Menge schon. Guck’ mal:

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Nun folgt der etwas kniffligere Teil der Operation Sfogliatelle. Es ist so eine Art Töpferarbeit.Ich nehme eine Scheibe in die Hand, und beginne vorsichtig von innen nah außen eine Mulde zu arbeiten. Ganz langsam. Und: Ich verstehe nun auch, warum die Dinger “Sfogliatelle” – Aufgeblätterte heißen. Ganz deutlich heben sich die vielen Schichten voneinander ab. Schicht für Schicht forme ich kleine Behältnisse. Man sieht ganz deutlich die blättrige Struktur. Es geht einfach, der Schmalz macht die einzelnen Schichten sehr elastisch.

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Am besten guckst Du Dir, wenn Du willst, das Video von Luciana an. Sie zeigt genau wie alles geht. (Ich kenne sie nicht, werde ihr aber auf ewig zu Dank verpflichtet sein, für Ihre tolle Anleitung nebst Rezept. Fetten Kuss!!) In das etwa handtellergroße Teigförmchen gebe ich nun einen Esslöffel von der Füllung und schließe es. Einfach oben zusammendrücken. Ohne einpinseln oder sonstigem Zirkus. Es hält. Ich habe vergessen das zu fotografieren, aber ich glaube, ich flute hier sowieso alles mit der Unmenge an Bildern. Die Sfogliatelle kommen für 30 Minuten in den auf 180 bis 200 Grad vorgeheizten Backofen.

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  Nach dem Backen lasse ich sie auf Küchenkrepp etwas auskühlen. Danach bestäube ich sie großzügig mit Puderzucker.

Und was soll ich Dir jetzt sagen? Schon bei der ersten Berührung gibt es dieses leise Knistern…Was wohl passiert wenn man hinein beißt?

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Ganz behutsam nehme ich eine Sfogliatella in die Hand. Gemächlich nehme ich den ersten Bissen und: eine Explosion. Es kracht und knistert…wow.. Es schmeckt ganz köstlich. Diese vielen knusprigen Schichten…die Creme….das mir das gelingt… der Herr Peppinello kriegt sich nicht mehr ein. Am Abend höre ich immer wieder diese Kaugeräusche aus der Küche. (Er ißt über dem Spülbecken, weil Sfogliatelle ziemlich krümeln). “Die schmecken frisch am besten.”, sagt er….Hm…so 8 bis 10 Stück….

Ich bin sehr, sehr glücklich. Das Leben kann so schön sein….

10. August 2009

Torta Pasqualina – Blätterteig-Spinat-Torte selbstgemacht….nach Anweisung des Herrn Peppinello

Hast Du schon mal Blätterteig selbst gemacht? Ich nicht. Der einzige Arbeitsschritt, der mir dazu einfiel war: Blätterteig aus dem Tiefkühler nehmen, auspacken, antauen. Aber: An Ostern sollte sich das ändern. Wie Du ja weißt, bin ich blogtechnisch immer noch nicht mit Ostern fertig. Heute erzähle ich Dir was über die Torta Pasqalina, eine ligurische Oster-Spezialität…..mit Blätterteig….
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Es ist also Ostern bei den Peppinellis. Ich frage den Herrn Peppinello schon weit vor der Kar-Woche über Blätterteig aus. Wie Du ja weißt, hat er das Backen mal gelernt. Und wie Du auch weißt, hab’ ich es nicht so damit. Also, mit dem backen, meine ich. (Wie der erfahrene Peppinella-Blog-Leser außerdem weiß, bin ich eher penetrant und er eher maulfaul, was häufiger zu Konflikten führt). Herr Peppinello lässt mich auflaufen. Ich suche in meiner kleinen Kochbuch-Sammlung herum. Ich rufe meine Schwiegermutter an. Sie weiß nichts von Ligurien. Die Genovesi können ihr gestohlen bleiben. Falls es sich ergibt, hätte sie aber gerne ein Stück von der Torta. Blätterteig (“millefoglie” – 1000 Blätter -  heißt er in Italien großkotzig) macht sie auch nie selbst. Aha. Ich finde schließlich ein Rezept im Silberlöffel. Auch hier steht lapidar “400g Blätterteig”. Ich kaufe alle Zutaten ein. Für die Füllung. Am Ostersamstag (morgens) tritt dann Mister-allwissend-aber-nix-preisgeben auf den Plan und schnarrt:
Blätterteig
  • 500g Mehl
  • 50g Butter (warm)
  • 1 TL Salz
  • 3/8l Wasser
  • 2 EL Essig
  • 2 Pfund Butter (kalt)
Hier –von mir- die Zutaten für die Füllung
  • knapp 2 Pfund frischer Blattspinat
  • 10 Eier
  • 300g Ricotta fresca
  • 3 EL geriebener Parmesan
  • 200 ml Sahne
  • 2 EL Paniermehl
  • Majoran
  • Salz und Pfeffer
  • Olivenöl zum Bestreichen
“Mach schon mal aus den Zutaten den Teig. Ohne die kalte Butter natürlich”, sagt der Herr Peppinello. Okay. Ich weiß noch nicht was auf mich zukommt. Es erwartet mich eine Lehrstunde vom Feinsten. Ich lerne fürs Leben….
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Hier siehst Du, wie ich aus allen Zutaten nach Anweisung (“ohne die kalte Butter natürlich”) einen Teig zubereitet habe. Den packe ich in Folie und stelle ihn kalt. Dann lege ich die Butter zwischen 2 Stücke Backpapier und walze sie platt. “Gleichmäßig!”, kommt das Kommando vom Sofa. Ich stehe nämlich in der Küche, und der Herr Peppinello ruft vom Wohnzimmer her die Anweisungen. Wir schreien also immer hin und her. Ich rufe öfter: “Komm gucken”, macht er aber nicht. Den Teig rolle ich zu einem Rechteck aus.
Gleichmäßig"!
Dann gebe ich die Butter GLEICHMÄSSIG drauf. ich knirsche mit den Zähnen. Ich tue das ab und an, wenn ich genervt bin. (Anm. der Bloggerin: Meine Zähne sind profillos. Die Knirscherschiene vom Zahnarzt ist durchgeknirscht und porös geworden.) Ich packe die Butter irgendwie in den Teig. Ich frage nicht. Dann rolle ich aus. Es ist mühselig ein Rechteck zu formen, ohne die Oberfläche zu beschädigen. Ich drücke die Ränder fest, und klappe den Teig 3fach –wie ein Kuvert, sagt er- zusammen.
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“Das machst Du jetzt nochmal, und danach stellt Du den Teig erst mal kalt”, sagt der Herr Peppinello, “so für 15 Minuten. Danach machst Du das nochmal. Und nimm’ nicht so viel Mehl zum Ausrollen. Und dann immer so weiter…”
“Hä?”, frage ich, “wie oft muss ich dass den machen?” Ich gehe ins Wohnzimmer. Der Bäcker räkelt sich auf dem Sofa und grinst (süffisant, ich hasse das). “Na es heißt doch millefoglie oder? Ein bisschen work-out müssen Deine Spargelärmchen schon noch.” Er gähnt. “Je mehr Du tourst, desto besser verteilt sich die Butter. Das macht doch Sinn.”
Touren. Aha. Habe ich vorher noch nie gehört, lasse mir aber bereitwillig erklären, dass mit “Touren geben” jenes immer wieder ausrollen und aufeinander klappen gemeint ist. Sowas weiß mein Herr Peppinello. Er kann auch Brötchen “schleifen”, oder “beidarmig aufmachen” (Teigstücke zu Brötchen formen, gleichzeitig mit beiden Händen) und “schminken” und “fitschen”. Aber lassen wir das. Ich verheddere mich hier schon wieder, und gleite ab in Richtung Thema verfehlt. Trotzdem macht sich in meinem Kopf wieder mal ein unmögliches Szenario breit: Olympiasiger im Synchronformen ist….
“Was lachst Du so blöd?”, fragt mein Goldmedaillengewinner. Ich trolle mich wortlos in die Küche. Die Viertelstunde ist um.
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Ich gebe also im Viertelstundentakt Touren. Ich tue das, glaube ich 8 Mal. Am Schluss ist der Teig sehr dünn. Vielleicht so 4 mm. Ungefähr. Während der Touren-Pausen blanchiere ich kurz den Spinat. Die Blätter sind sehr zart. Ich hacke ihn also nicht. Dann passiere ich die Ricotta und vermenge sie mit 4 gequirlten Eiern, dem Parmesan, den Semmelbröseln und der Sahne. ich würze mit Salz und Pfeffer und gebe den Spinat und Majoran zu der Masse. Jetzt kleide ich meine eingeölte Tarte-Form mit einem Teigblatt aus, pinsele es mit Öl ein, und lege ein zweites Teigblatt darauf. Die Ränder müssen überhängen.
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Dann fülle ich etwas mehr als die Hälfte der Spinatmischung auf den Teig (vorher einstechen) und drücke 6 kleine Mulden hinein. In jede Mulde setze ich vorsichtig ein Ei, salze und pfeffere es und gebe nun die restliche Spinatmischung darauf. Auch den übrigen (“KALT STEHEN LASSEN BIS ZUM SCHLUSS!” Ja, Chef) Teig teile ich in 2 dünne Platten und verschließe damit die Torta Pasqualina. Ich drucke die Ränder fest, steche den Teig mit der Gabel mehrmals ein und backe bei 200 Grad im vorgeheizten Ofen für etwa eine Stunde.
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“Und warum haste den Teig nicht geschminkt?”, fragt der Herr Peppinello am Ende. Ich antworte sehr schnippisch: “Weil ich nicht wusste, ob ich dafür roten oder rosa Lippenstift nehmen sollte”. Ich muss dringend zum Zahnarzt, mir eine neue Zahnschutzschiene anpassen lassen……
Selbst hergestellter Blätterteig schmeckt um Klassen besser als gekaufter. Ich weiß nur nicht, ob man sich diese Mühe wirklich machen sollte.
So. ich muss zurück an die Arbeit. Hab mich weggeschlichen.

20. April 2009

Pastiera napoletana und andere Kinkerlitzchen – Karfreitag (nachmittags und abends)

Da wo der Herr Peppinello herkommt, nämlich von der Amalfi-Küste, heißt dieser Kuchen auch Pizza di grano. Gnädiger Weise darf ich aber die Version aus Neapel backen, und mache mich ohne Umschweife ans Werk.

Zutaten:

für den Mürbeteig (wie ich den hasse)

  • 300g Mehl (00 oder 450)
  • 150g Zucker
  • 150g Zucker (in Italien eher Butterschmalz)
  • 1 Ei und 1 Eigelb
  • Etwas Orangenschale

für die Füllung (Millionen Kalorien)

  • 500g Grano Cotto (gekochte Weizenkörner)
  • 1/4l Milch
  • 500g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1/2 Ampulle Orangenblütenwasser
  • 500g Ricotta (durch ein Sieb gestrichen)
  • 8 Eier (trennen)
  • 2 P. Vanillezucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 TL Zimt

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Ich brauche hier wohl nicht zu erklären, wie Mürbeteig zubereitet wird. Das einzig erwähnenswerte ist, dass er für mich eine Strafe Gottes bedeutet (was für eine Blasphemie..tsse..tsse..tsse Frau Peppinella).

Als erstes trennst Du die Eier. Die Eigelbe werden mit 450 Zucker schaumig gerührt. Dann gibst Du nach und nach die Ricotta dazu.

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Das Grano Cotto erwärmst Du mit 50g Zucker, einer Prise Salz, etwas Orangenblütenwasser und dem Zimt in der MIlch. Das Ganze gibst Du dann zu der Ricotta-Ei-Masse, und fügst das restliche Orangenblütenwasser und den Vanillezucker hinzu.

Jetzt teilst Du den Mürbeteig in 3 Teile, und rollst ihn dünn (*grrrr) aus. Mit 2 Teilen kleidest Du den Boden und die Ränder (bis oben hin) einer Springform aus. Aus dem dritten Teil Teig schneidest Du mit einem Rädchen gefällige Streifen von ungefähr 2cm Breite. (Du willst nicht wissen, wie das bei mir aussah, und Du willst auch nicht hören, wie ich dabei geflucht habe).Du solltest übrigens jetzt Deinen Backofen vorheizen auf 190 bis 200 Grad.

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Außerdem schlägst Du die 8 Eiweiße steif und hebst sie unter die Füllung. Die (ziemlich flüssige) Masse gießt Du nun in deine mit dem Mürbeteig ausgekleidete Kuchenform und belegst sie mit den Teigstreifen im Gittermuster (ist mir nicht sooo gut gelungen). Ab in den Ofen mit dem Monstrum und zwar für 60 Minuten. Die Pastiera ist fertig, wenn sie eine eher dunkelbraune Farbe angenommen hat. Schalte den Backofen aus, und lasse den Kuchen weitere 30 Minuten darin stehen.

Am ziemlich späten Nachmittag schneiden wir das Ding an. Ich mag so mordsmäßige Kuchen eigentlich eher nicht. Der Herr Peppinello nimmt einige Bissen. Dann schließt er die Augen. Dann sagt er “hmmmmmm”. Dann öffnet er die Augen. Dann fragt er unvermittelt: “Kannst Du Dich noch an den Zeichentrickfilm Ratatouille erinnern?” (Dann denke ich: Habe ich versehentlich irgendwelche Bewusstseins verändernde Drogen mit gebacken?) Ich säge: “Hä?” “Na die Stelle”, erklärt der Herr Peppinello mit vollem Mund, “am Ende des Filmes, wo der fiese Restaurantkritiker das Ratatouille probiert. Da wo man dann sieht, das er sich in seine Kindheit zurück versetzt fühlt, und verzückt die Augen schließt bei Essen….” Ich sage: “Ja.” Und er sagt: “Genau so fühle ich mich gerade.”

Weißt Du was? Ich bin gerührt.

Der Herr Peppinello tut seine Begeisterung meist nicht so offen kund. Wenn er überhaupt begeistert ist. Wow….

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Am Abend essen wir die Reste von mittags und ein paar flache Bohnen. Mit ein paar Büffelmozzarella. Und dein paar Paprika. Und dem Mega-Brot.(Zwischenzeitlich schon bestimmt 10 Mal gebacken. Täglich. Immer gleich gut).

Morgen erzähle ich Dir vom Karsamstag. Da geht der Baghwan Back-Wahn weiter.

10. März 2009

Cannoli fatti in casa - Süßes auf sizilianisch

Vorweg: Alle sind wieder halbwegs wohlauf. Ich will nicht mehr über Krankheiten sprechen. Der kleine Peppinello darf am nächsten Montag wieder in den Kindergarten. (Noch sechseinhalb Tage. Hallelujah.)

Ich weiß nicht, ob Du Cannoli kennst. Sie kommen aus Sizilien, werden aber in ganz Italien gern gegessen. Sogar von meiner angeheirateten, neapoltetanischen Verwandschaft. Am liebsten sofort nach dem "Pranzo".
Üblicherweise ist es so, dass Du, wenn Du sonntags zum Essen eigeladen bist - in 99% der Fälle bei Mamma, oder bei Deiner Suocera (Schwiegermutter) - etwas Süßes mitbringst.
"Kaffee und Kuchen um halb Vier", wie hier in Deutschland, gibt es bei uns nicht. Normalerweise wird um Eins gegessen.....so bis halb 5...Dann kommt "la domenica sportiva", oder "90esimo minuto" im TV. Ein wichtiges Ereignis. Die Ergebnisse der Serie A, sowie die neuesten Klatschgeschichten rund um den Fußball werden ausgiebig diskutiert. Währenddessen gibt es "il cafe" und das von Dir mitgebrachte "cartoccio con i dolci".
Das hast Du in der Pasticcieria vorbestellt. Und wie vermisse ich sie hier in Deutschland, die Pasticcieria...Das Cartoccio ist ein großes Tablett, mit allerlei kleinen süßen Sachen drauf: Baba', Sfogliatelle, Biscotti di mandolre, Torrone, Cantuccini, Profiterole....hach, hach hach....und eben diese Cannoli.
Und die machen wir nun mal selbst. Es gibt sie hier nämlich nicht zu kaufen, und wenn, dann schmecken sie nicht.

Zutaten (ca. 20 Stück)

für die Teighülsen
200 g Weizenmehl
20 g Zucker
4 cl Marsala
20 g Schmalz
1 TL Kakao
ausreichend Öl zum Fritieren
Puderzucker zum Bestreuen

für die Füllung
500 g Ricotta (Galbani)
250 g Zucker
etwas Orangenaroma
Schokoladenraspel
(wenn Du willst, auch kandierte Früchte, mögen wir aber nicht so gern)



Die Zutaten für die Teighülsen rührt gefälligerweise wieder meine Kitchen-Aid. (Ich sollte in diesen Blog mal ein Werbe-Banner für die Firma Artsan einbauen....) Den Teig musst Du übrigens 2 Stunden kaltstellen.



Ich habe in meiner Küche umgeräumt. Das gute Teil (Kitchen-Aid) steht nunmehr an einen Extra-Platz, zusammen mit der Pastatrice. Auch die brauchen wir gleich. Sie wird nämlich Stückchen für Stückchen den Teig walzen. Der sieht aus wie Leberwurst, findest Du nicht?



Zwei Stunden später....Okay. Jetzt schneidest Du ein Stück von dem Teig ab, und walzt ihn durch die Nudelmaschine, bis auf Stufe 5. Es geht auch konventionell, mit Nudelholz, aber warum soll man sich das Leben schwermachen...
Die Blechhülsen auf dem Foto habe ich aus Italien. Ich weiß nicht, ob es hier solche zu kaufen gibt. Kann man aber bestimmt im Internet bestellen. Wie Du siehst, werden die Teigstücke diagonal um die Hülsen gewickelt, und die "Nähte" mit etwas kaltem Wasser geklebt.



Und dann werden sie nacheinander in ca 1,5 l Öl fritert. Ich sage Dir jetzt nicht, wie oft ich mir beim Herauzziehen der Blechhülsen (ich habe nur 6 Stück, und muß sie also mehrfach neu bestücken) die Finger verbrenne....



Für die Füllung verrührst Du Ricotta mit Zucker, Schokoladenraspeln und dem Orangenaroma. Herr Peppinello meint, man füllt am besten mit einem Spritzbeutel, aber dazu bin ich zu blöde. Ich mache das mit einem flachen Holzlöffel. Auf die offenen Enden kommen noch ein paar Schokoladenraspel. Zum Schluß bestreust Du die fertigen Cannoli mit Puderzucker.



Ich weiß nicht, wie viele Punkte die so haben könnten. Ist mir auch wurscht. Herr Peppinello verdrückt gleich welche und raunt: "Schmecken wie in Italien", sagt aber nie-, nie-, niemals: "Das hast Du gut gemacht." (Never ever würde er sowas sagen.)
Das sagt aber ausnahmsweise mal meine "Suocera".

23. Februar 2009

Weight Watchers hausgemachte Ravioli oder Herrn Peppinello's Auslegung der Personalpronomen

Gleich zu Anfang möchte ich Dir mittteilen, dass ich die Weight-Watchers und ihre Punkte zum Teufel geschickt habe. Ich bin 43 Jahre alt, 1,70 m groß, trage Kleidergröße 38 und wiege 62,9 kg. Die Zweikommaneun hinter der 60 stören mich zwar, aber ich bin nicht für's Verzichten gemacht. So.
Weil das mit der Lasagne so prima geklappt hat, beschließe ich am Tag darauf Ravioli selbstzumachen (wird "selbstzumachen" nach der Rechtschreibreform eigentlich aus-ein-an-der oder zusammen geschrieben?).
Ich stelle 2 verschiedene Pasten für die Füllung her.

Zutaten

für die Ravioli (eigentlich sind es "Mezzelune")
400 g Weizenmehl
4 Eier
Salz
Olivenöl

Füllung 1
Caprino (Ziegenfrischkäse)
Ricotta
gehackter, blanchierter Spinat (TK geht)
Salz und Pfeffer

Füllung 2
Walnüsse (mit der Kitchen-Aid geschreddert)
geriebener Pecorino (oder Parmesan)
Mascarpone
Salz und Pfeffer

Als erstes bereite ich die Füllungen vor. Hier die mit Ziegenkäse und Spinat. Einfach alles zusammenrühren (und probieren).



Und dann die mit den Walnüssen (noch öfter probieren, denn Mascarpone macht glücklich).



Hier siehst Du die leergefressene Lasagne-Form. Selbst meine Schwiegermutter hatte nichts daran auszusetzten. Der Teig für die Ravioli wird wiederum von der Kitchen-Aid geknetet. Ich walze ihn mit der Pastatrice bis auf Stufe 6 (dünn).



Ich verteile kleine Portionen Füllung auf die Teigblätter, bin dann aber zu blöd, alles in gefällige Quadrate zu schneiden. Also nehme ich einen großen Ausstecher. Den finde ich in meinen Backutensilien (endlich eine Verwendungsmöglichkeit für die riesigen doofen Plätzchenausstecher.) Die Spinatfüllung sieht auf den Fotos irgendwie aus wie Gift.



So werden aus den geplanten Ravioli eben Mezzelune. Die Teigränder bestreiche ich übrigens weder mit Eiweiß, noch mit sonstwas. Sie haften auch ohne. Ich muß recht zügig arbeiten, denn der Teig wird schnell spröde.
Fertig. Ich setze Nudelwasser auf, und bereite aus der restlichen Ricotta, den Nüssen, Petersilie und Sahne ein Sößchen zu. Die Mezzelune müssen so etwa 4 Minuten in simmerndem Salzwasser ziehen, und kommen danach (mit dem Schaumlöffel) direkt zur Sauce in die Pfanne.



Ausnahmsweise kommt kein geriebener Käse auf die Nudeln. Heute nehme ich die restlichen gehackten Walnüsse zum Bestreuen. (Hat bestimmt ein paar Millionen Kalorien. Oder Punkte. Oder was-weiß-ich.)

Fragst Du dich schon was das hier alles mit Peronalpronomen zu tun hat? Das sag' ich Dir jetzt.
Einen Abend später, der Herr Peppinello und ich haben fast Feierabend, und es sind nur noch eine gute handvoll Gäste in unserem Lädchen. Wir sitzen gemütlich mit ihnen zusammen, unterhalten uns über dies und das. Irgendwann kommt das Gespräch auf das Thema Wörld-weit-Wepp.
"Die ist auch im Internet", sagt Herr Peppinello. Dabei deutet er mit dem Kinn in meine Richtung.
(Ich denke "die" steht auf der Weide und macht "MUH!".)
Einige Leute wollen nun wissen, was die Peppinella im Netz denn macht. Daraufhin sagt der Herr Peppinello: "Die hat 'ne Rezepteseite. Da könnt Ihr sehen, was wir (!!!???) zuhause alles kochen."
Wir.
WIR??? (Ich überlege kurz: 1. Person, Plural, Nominativ.)

Okay. Ich weiß, das WIR Menschen mit Migrationshintergrund sind, aber...es war mir bisher nicht klar, dass der Herr Peppinello solch arge Probleme mit den deutschen Personalpronomina hat. Dann denke ich, dass das gar nichts mit der deutschen Sprache zu tun hat. Er hätte auch im Italienischen zu Neunundneunzig Prozent "noi" (wir) gesagt.
Vielleicht ist das ja auch alles ganz anders. Vielleicht gibt es so eine Art Parallel-Universum. In einer anderen Galaxis. Mit einem anderen Internet. Und einem anderen Blog. Dort kochen "WIR".
(Possesivpronomen kann er übrigens auch nicht. In keiner Sprache der Welt. "Alles meins....")

P.S.: "WIR" hatten übrigens noch etwas Nudelteig (mit Spinat besudelt)übrig. Daraus entsanden Tagliatelle. Sie wurden zu lockeren Nestern gedreht, und sind getrocknet haltbar.



P.P.S.: HELAU!
P.P.P.S.: Ich hasse Karneval.