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3. Oktober 2014

Zucchiniröllchen von Claudio via Robert, oder: Gastrosexuell die Zweite–Oma Gerda rulez.

Ich habe damit begonnen, meine zerschossene Blogroll wieder herzustellen. Dabei bin ich bei Claudio via Robert auf Zucchiniröllchen gestoßen. Musste ich natürlich sofort nachmachen. Ist eine gute Idee auch für das Peppinelli-Lädchen durchaus brauchbar.

Die Herstellung der kleinen Dinger ist relativ unkompliziert, was deren Geschmack keinen Abbruch tut. Sie sind ganz köstlich. Und das obwohl ich zuerst dachte…naja..Zucchini mit Zucchinifüllung, bisschen fad. Isses aber nicht.

Das Rezept kannst du dir hier bei Claudio durchlesen. (ma dimmi un po’, caro…mica sei diventato veggie, visto che hai pubblicato????)

Ich habe die Zucchinischeiben genau wie Magdi nicht blanchiert. Die sind so hauchzart, das brauchte es nicht.

Zucchinifilets

Das erste halbwegs gelungene Bild mit der Canon. Ein Zufallstreffer.

Nebenher will ich dir weitererzählen, was bei den Gastrosexuellen auf RTL vorgestern noch so los ist montagabends. Da gibt es einen zweiten gastrosexuellen Gerätefetischisten. Den Namen hab ich mir auch wieder nicht gemerkt. Weder seinen, noch den von seinen ganzen Angeber-Apparaturen. Nur Sous-Vide ist bei mir hängengeblieben.

Der Mann ist recht jung. Auch er trägt so eine dunkelgerandete Hornbrille. Glaube ich, mag es jedoch nicht beschwören. Bevor sich jetzt die gesamte Hornbrillenfraktion aufregt: Ich habe auch so eine, bin aber weder intellektuell, noch habe ich promoviert (Grüße an Herrn Rae. M.S. aus N. – echt nicht, ich schwör’). Der junge Gastrosexuelle bekommt von RTL eine Aufgabe gestellt. Challenge nennen sie das, weil sie irgendwie vergessen haben, das man im deutschen Fernsehen auch deutsch reden darf.

Die Aufgabe ist eigentlich denkbar einfach: Der Gastrosexuelle soll ein Menü kochen. Fleisch mit zwei Beilagen. Er guckt so ein bisschen komisch, hat wohl nicht ganz verstanden.Deswegen greife ich beherzt ein und sage laut Richtung Fernseher: “Hase, du kleiner Geschmacksarchitekt! Du sollt ein Menü mit drei Geschmackskomponenten entwickeln. Kreiere bitte eine Komposition aus verschiedenen Texturen, Aromen und Ingredienzen. Geschmacksarchitektur, du weißt schon…”

Gut. Er legt los. In der nächsten Szene sieht man ihn beim Metzger. Er lässt sich alle – ungelogen wirklich alle Fleischstücke zeigen, die es gibt (ausser Schweinskopf). Geduldig hebt der Metzger ein Teil nach dem anderen aus der Theke. Schwierige Entscheidungsfindung. Der Gastrosexuelle fragt alles. Alles will er übers Fleisch wissen. Fehlt nur noch, dass der Metzger ihm verraten muß, ob das Tier für dieses Stück Monika oder Heidelinde hieß.

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Das wird die Fuellung fuer die Zucchinroellchen. Ich habe allerdings zwei gesalzene Sardellenfilets mitgebraten.und rote Zwiebeln genommen.

Der Gastrosexuelle nimmt kein Sardellenfilet, sondern was Besseres. “Darf ich mal sehen?”, fragt er. Der Metzger hält ihm das Fleischstück hin. Die Kamera fährt heran, und der RTL-Zuschauer – also in diesem Fall ich – sieht ein rohes Stück Fleisch in Großaufnahme. Der gastrosexuelle Mann frohlockt. “Guck mal diese Maserung an”, quiekt er nahezu orgiastisch, “die Marmorierung ist perfekt. Hach! das nehme ich. Ich muss sofort los! Ich werde’ verrückt, ich muß kochen!” Aha, er ist wohl auf Kochentzug und braucht 'nen Schuss vom Sou-Vide.

Zeitgleich tritt anderswo Oma Gerda auf den Plan. Oma Gerda ist nicht gastrosexuell, und ich begreife nicht so ganz, ob sie nun “Oma” mit Vornamen und “Gerda” mit Nachnamen heißt oder gar keinen Nachnamen hat, denn RTL stellt sie nur als Oma Gerda vor. Im Gegensatz zu den beiden Gastro-Kaspern.

Oma Gerda ist nämlich mit dem Gastrosexuellen in der Challenge. Sie “battlen” gegeneinander. Und Oma Gerda macht Schweinekrustenbraten mit Senfsoße, Salzkartoffeln und Gemüse, ich glaube Rotkohl. Die Stimme aus dem Off erklärt, dass Herr Omagerda (er hat keinen Namen) früher zur See gefahren ist. Geld war oft knapp und Oma Gerda viel allein. Mit wenig Mitteln brachte sie die Familie durch. Das ist bist heute so geblieben. Oma Gerda kauft preisbewusst.

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Komm, das Bild ist doch jetzt richtig gut, oder? Die leckere Fuellung aus Claudios Rezept schmeckt so gut, dass ich sie fast schon vorher aufesse.

Nach der Werbung zeigt RTL wie Oma Gerda den Krustenbraten mit Wurzelgemüse in den Ofen schiebt. Vorher kocht sie Wasser im Wasserkocher heiß, und gießt es an den Braten.

“Und warum machen sie das jetzt?”, will die Reporterin wissen. “Das macht man so.”, sagt Oma Gerda. Ich grinse. Danach rührt sie Brühe mit Senf und noch irgendetwas in einem Messbecher zusammen. Für die Soße. Sie probiert. Fügt ein, zwei weitere Löffel Senf hinzu. “Wie viel muß da jetzt rein?”, will die Reporterin wieder wissen. Oma Gerda nimmt noch einen Löffel Senf, rührt und antwortet: “So viel wie muß.” Ich grinse.

Nach der Werbepause (und weiterem Rotwein für mich) öffnet Oma Gerda den Backofen, guckt rein, dreht am Backofenknopf. “Was machen sie da jetzt?”, fragt die Reporterin. Ich denke, das siehst du doch, meine Güte. Oma Gerda erklärt geduldig: “Ich schalte  jetzt mal runter, damit die Kruste nicht so schwarz wird.”

“Und wann ist das  fertig? Wie wissen sie das?”, fragt natürlich die Reporterin. Ich glaube, die hat noch nie gekocht. Oma Gerda sagt: “Wenn die Kartoffeln gar sind, ist das Fleisch auch fertig.”

Ich lache laut. Gimme Five, Oma Gerda.

fertige Zucchinirolle

Hier nun ein fertiges Zucchiniteil. Habe aus zwei Zucchini so 20 Dinger gemacht. Waren schneller weg, als ich gucken konnte.

Der Gastrosexuelle unterdes ist nicht so erklärungsunslustig wie Oma Gerda. In seiner Küche (auch hier ein ganzer Fuhrpark von Apparaten, Geräten, teuren Messern und allem was wir noch nicht mal bei uns im Lädchen haben. Bei manchen Sachen kann ich nicht erkennen, wofür man sie braucht, oder was sie überhaupt sind. Will ich auch gar nicht wissen) wiegt der junge Mann zärtlich das Hundertdreißig-Euro-Fleischstück in den Händen. Vorsicht massiert er es.

“Ich werde das Sou Vide garen”, erklärt er. Er nimmt das Fleischstück – hat er vorher irgendwie kleiner geschnitten, hat RTL aber nicht gezeigt – und vakuumiert es. Natüüüüürlich hat er ein Vakuumiergerät. Angeber. Wie haben auch eins. Unseres hat glaube ich Fünfzig Euro gekostet, seins wohl eher Fünfhundert. Aber wir sind ja auch nur Normalos.

Das verpackte Fleisch gibt er dann in den Sou-Vide-Garer. Ich nehme zuerst fälschlicherweise an, dass das eine Fritteuse ist, sieht nämlich von außen so aus. Ich Dummie. Es ist ein Profi-Sou-Vide in Edelstahl, liegt so bei 500 – 700 Euro. Braucht kein Mensch. Der Herr Peppinello nennt so was “Wasserbad”. Zum Fleisch kocht er Gemüse. Ich weiß nicht mehr was. Zwei verschieden graubraune Pampen. Die füllt er dann in eine Sprühflasche. Das ist ein Stickstoffbla-bla für über 200 Euro, erklärt er. Wir haben so was auch. Zwei Stück. Haben noch nicht mal halb so viel gekostet. Der Herr Peppinello nennt das “Sahneflasche”. Aber vielleicht ist auch was anderes, denn wir haben mit der Sprühflasche kein Geschmackserlebnis, sondern nur Schlagsahne.

Und jetzt geht die Challenge los. Die Reporterin startet bei Oma Gerda. Herr Omagerda faltet im Esszimmer noch schnell Servietten. Das weiße Tafeltuch ist aufgelegt, Blümchen stehen auf dem Tisch, das Geschirr hat passend dazu dieses typische florale Design, welches wohl weltweit bei allen Omas sonntags auf den Tisch kommt. Kartoffeln, Fleisch, Gemüse und Soße werden in den passenden Porzellanbehältnissen serviert. Schon beim Eintreten freut sich die Reporterin.

“Hach”, macht sie, “wie bei meinen Eltern zuhause.” Es wird gegessen. Das Fleisch ist butterzart, die Kruste knusprig aber nicht schwarz, dank Oma Gerda. Die Kartoffeln sind gut. Das Gemüse auch. Oma Gerda kriegt ‘ne Eins.

Dann kommt wieder Werbung.

Endlich ist nun der Gastrosexuelle dran. Auch er hat eine Frau, aber die sagt nix, sondern sitzt nur mit am Tisch. Es gibt hier kein Tafeltuch und keine Servierschüsselchen. Auch keine Blümchen. Es ist nicht wie bei den Eltern der Reporterin zuhause, denn die sind vermutlich nicht gastrosexuell.

Gegessen wird am blanken Holztisch. Damit nichts, aber auch gar nichts, die Speisenden vom Geschmackserlebnis des im Wasserbad Sou-Vide gegarten Hundertdreißigeurofleisch ablenkt. Ich weiß jetzt nicht, ob der Beleuchter von RTL plötzlich krank geworden ist. Wäre aber möglich, denn als der Kameramann die Teller ran zoomt sieht man farbloses Fleisch und diese zwei grünbraunen undefinierbaren Pampen (Mousse von Keine-Ahnung-Was). Schaut aus, wie Bio-Babygläschen auf dem Teller ausgekippt. Die Reporterin probiert das Fleisch.Trommelwirbel. Ich halte den Atem an. Dann nimmt sie von der Babynahrung. Das Fleisch schmeckt wohl gut. Ich sehe allerdings keine Soße, habe aber auch schon eine Menge Wein getrunken. Fleisch schmeckt. Gottseidank.

Aber das Gemüse….

Das passt von der Textur her nicht zum Fleisch. “Es sind zu wenige Komponenten zum Kauen da”, erklärt die Reporterin. Außer dem Fleisch. Also Schluckfutter. Der Gastrosexuelle is not amused. Seine Frau sagt nichts. Die denkt vermutlich darüber nach, dass sie gleich die ganzen Geräte reinigen muß.

Also Leute. Klarer Sieg für Oma Gerda. Und ich hab schon lange nicht mehr so vorm Fernseher gelacht, obwohl es noch nicht mal eine Komödie war.

Danke Claudio und Robert für die Anregung zu den Zucchiniröllchen. Ganz unaufgeregt “handcraftet”. Ich kann auch schon bald kein Deutsch mehr….

12. März 2011

Fastenzeit: Minestra di rape e patate con pane fritto – Stängelkohl-Kartoffelsuppe mit gebratenem Brot oder: Wie eine hochgestellte Person römisch-katholischen Glaubens mir in den Rücken fällt.

Ich finde das Wort “Stängelkohl” ja immer noch ziemlich bekloppt.  Hier erst mal ein Foto davon. meine Bilder werden übrigens besser, weil ich zur Zeit in Herrn Peppinello’s Küche koche. Auf Gas wird alles besser. Das hat aber nichts mit den Fotos zu tun. Hiermit meine ich eher das Licht. In der Küche im Lädchen hat es wenig Tageslicht und viele Strahler an der Decke. Das stresst mich weniger beim Fotografieren.
Fastenzeit Rape e patate 023Geht doch, oder? Es hatte hier schon Schlimmere….
Zutaten für 4 Peppinellis:
  • 1 kg Cime di rapa (Stängelkohl)
  • 12 Kartoffeln in große Würfel geschnitten
  • 1 gewürfelte Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • Olivenöl
  • Salz, Pfeffer, Peperoncino
und
  • 12 kleine Scheibe altbackenes Brot (am besten knochentrocken)
  • 200ml Milch
  • 1 Ei
  • Pecorino oder Parmesan
  • Salz und Pfeffer
Die Zubereitung ist eigentlich nicht weiter erwähnenswert. Die Rapa wird verlesen, gewaschen und kleingeschnitten. Die Kartoffeln geschält und gewürfelt. Nachdem Du in einer Kasserolle die Zwiebeln und den Knoblauch in reichlich Olivenöl angedünstet hast, gibst Du den Kohl und die Kartoffeln dazu und gießt etwas Wasser und Brühe (bei uns von der Rindfleischsuppe übrig) an.
Während die Minestra vor sich hin köchelt, reibe ich schon mal den Käse. Auftritt Herr Peppinello “Schrägstrich” - 1.Akt. Rapa findet er grundsätzlich lecker. Mit Salsiccia. Oder wenigstens mit Speck. Sagt er. Und ich sage, ich weiß, kommt aber gar nicht in die Tüte. Wir sind katholisch und ziehen das jetzt durch.
Ich stelle die Flamme unter der Minestra auf klein und den Deckel schräg. Dann verquirle ich das Ei mit dem Parmesan und weiche die Brotscheiben in Milch ein. Wichtig: Das Brot muss älter als alt sein. es saugt sich sonst beim Braten zu sehr voll. dann erhitze ich Olivenöl in einer Pfanne und wälze die Brotscheiben in der Ei-Käse-Masse.
“Außerdem esse ich am Sonntag soooo ein Rumpsteak”, sagt der Herr Peppinello. Dabei zeigt er zwischen Daumen und Zeigefinger ungefähr 5 Zentimeter an, “sonntags ist nämlich Fastenbrechen. Ich weiß das von höchster Stelle. Ich will wissen, ob er am Mittwoch eine Audienz bei Benedikt dem Sechzehnten hatte.
“Nein”, antwortet er lapidar, “bei meiner Mutter.”
Fastenzeit Rape e patate 013
Natürlich hat sie Recht und ich hasse sie dafür. Ich gebe die Brotscheiben in die Pfanne und brate sie von beiden Seiten goldbraun. Der kleine Peppinello kommt in die Küche, zieht die Brauen hoch und fragt: “Schnitzel?”
“Am Sonntag”, antwortet sein Vater.
Also, mahl ehrlich. Ich kann eh schon nichts Spektakuläres. Und ohne Fleisch, wird das Ganze hier bis Ostern noch banaler. Aber:
Es gibt spektakuläre Neuigkeiten von Olli und Svenja. Sie sind “gedätet” Heute Abend. Svenja rasiert sich gerade die Beine (man weiß ja nie, was passiert), und überlegt, ob sie sich die Haare mit dem Lockenstab ein wenig verrucht stylen soll. Gerade hat Oli sie angerufen. Er guckt gerade noch Fußball mit “seinen Jungs”, und freut sich schon auf später. (Anm. der Bloggerin: Er guckt natürlich allein. Er hat keine Jungs, die mit ihm Fußball, oder sonst was gucken wollen.)
Frauke und Bernhard beschließen zur gleichen Zeit, dass sie ein weiteres Kind bekommen wollen. (Weil das mehrere Blogger-Kollegen einer ihnen völlig unbekannten Irren so möchten). Frauke und Bernhard bitten Gaya,  die Große Mutter Erde und einige weitere verquaste, esoterische Instanzen um deren Segen und besiegeln das Ganze mit einigen tiefen Tönen aus der Klangschale.
Hier entstehen nun weitere Fragen: Wird Oli Svenja heute noch flachlegen?  Was trägt Svenja drunter?
Und: Wird Frauke daheim im Kreise ihrer Lieben entbinden, mit Hilfe einer befreundeten Hebamme, welche in ihrer Freizeit Runen wirft und Mandalas kreiert?
Wir werden es erfahren.

9. März 2011

Tagliolini con barba di frate – Tagliolini mit Mönchsbart, oder: Beginn der Fastenzeit

Gestern.

Und dieses Mal mache ich ernst. Es gibt hier bis Ostern kein Fleisch mehr. Das Fräulein Peppinella nimmt meine Ankündigung gelassen hin, will heißen, sie ignoriert meine Ansage schlichtweg. Dem kleinen Peppinello kommt das gelegen. Er mag am liebsten Obst, Gemüse, Salat, Brot. (Ich lüge nicht. Es gibt Kinder, die sich freiwillig so ernähren, auch wenn sie nicht Nils und Nele sind).

Für den Herrn Peppinello ist das Auslegungssache, mit der Fastenzeit. Rindssuppen, Tafelspitz und Beinscheiben zählen für ihn nicht zur Kategorie Fleisch. Scharfe Salami und Schinken oder Speck auch nicht. Worauf hin ich korrigiere.

“Gar kein Fleisch. Fisch schon, oder mal eine kleine Wachtel, aber sonst: niente, caro!”

Er sagt: “Spinnst Du?” “Nö.” Es entbrennt ein längerer Disput über die Vor- und Nachteile des Fastens. Aus religiösen Gründen. Aus gesundheitlichen. Einfach mal so. Das Gespräch endet mit einem ätzenden: “Hör’ mal lieber auf zu qualmen.” (an mich gerichtet).

Ich schnappe meine Einkaufstasche und keife beim Verlassen des Hauses etwas Fieses (Berlichingen). Weil ich ja nun nicht zum Metzger muss, fange ich beim Türken an, wo ich Rapa (Stängelkohl) kaufe und Quitten. Und Auberginen. Ich habe nämlich für die nächsten Tage schon so eine Art Essensplan ausgearbeitet. Im Planen bin ich immer groß. In der Umsetzung meist nicht so. Danach fahre ich zu meinem Lieblings-Gemüsehändler. Da steht dann neben horrend teuren Artischocken der Mönchsbart.

Barba di frate 025

Mein herz schlägt Purzelbäume. Barba di frate (oder auch Agretto) habe ich hier noch nie, nie, nie gesehen. Kenn ich nur aus Italien. Frische Tagliolini mit Speck und Tomaten dazu. Großartig. Hundert Gramm kosten zwei Euro. Naja. Ich nehme ein Bündelchen zu 300 Gramm.

Zutaten für vier Peppinellis:

  • 300g Mönchsbart
  • 2 Tomaten
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Zwiebel
  • etwas gewürfelter Speck (gestern war noch keine Fastenzeit)
  • Olivenöl
  • Salz und Pfeffer
  • Pecorino toscano zum Reiben
  • 480g von Herrn Peppinellos Tagliolini freschi

Zurück zu Hause, wedele ich stolz mit dem Kraut vor Herrn Peppinellos Nase rum. Er steht an seiner Nudelmaschine (kommt mir gelegen). Hat aber jetzt richtig schlechte Laune. Er isst den Scheiß nicht, sagt er, ohne hin zu schauen. Und ignoriert mich. Ich sage: “Um so besser!” Dann hole ich die Kamera, fotografiere seine Nudelproduktion. Er sieht so aus, als würde er mir gleich an die Gurgel gehen. das wiederum ignoriere ich. So arbeiten wir wortlos nebeneinander.

Der Mönchsbart hat an den unten kleine holzige Enden mit sandigem Wurzelwerk, und muss also gründlich gewaschen werden. Danach blanchiere ich ihn so ungefähr für 10 Minuten in leicht gesalzenem Wasser. Das Kochwasser bewahre ich für die Nudelsoße auf. In einer Kasserolle dünste ich die Zwiebeln und den Knoblauch in Olivenöl und gebe die gewürfelten Tomaten, sowie den Speck hinzu. Außerdem setze ich schon mal das Nudelwasser auf. Der Herr Peppinello beobachtet alles aus dem Augenwinkel. Schließ grabscht er in das Sieb, indem das Gemüse abtropft. Und probiert. Seine Augen weiten sich.

“Sag’ mal, das ist doch…? Wo hast Du das denn her?” ich grinse selbstzufrieden. “Ob das hier überhaupt jemand kennt?”, sinnt er nach. Ich habe natürlich schon gegoogelt, und verweise auf Robert und Jutta Lorbeerkrone. Der Herr Peppinello bloggt zwar nicht. Robert ist ihm jedoch geläufig. (“Einer der beiden Schweizer. Der Ältere, nicht der Italiener”. So merkt er sich das.) Friede kehrt ein.

Als das Nudelwasser kocht, gibt er die Tagliolini hinein. Ich gebe die Barba die frate zu den anderen Zutaten in die Pfanne und gieße etwas von der Kochbrühe an. Wir können es kaum erwarten.

Barba di frate 048

Jetzt schnell die Pasta abseihen und kurz in der Pfanne mit schwenken. Finito

Weil alles so  schön ist, greif ich das Fasten-Thema für die nächste Stunde nicht mehr auf.  Beim Essen versuchen wir zu beschreiben, wonach Mönchsbart schmeckt. das Fräulein Peppinella mein schließlich, dass es eine Ähnlichkeit hat, mit den Blättern und Blüten von Zucchini. Der kleine Peppinello tippt auf den iberischen Meeresspargel, mit dem wir unsere Doraden füllen.Und das stimmt beides, oder auch nicht. Finden wir.

Jetzt halt mal die Augen auf, und guck, ob es bei die auch Mönchsbart gibt. Oder vielleicht “Cuccuziedde” e “tenerumi”. davon träume ich immer. Wenn ich mal welche finde, siehste was es ist.

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15. Februar 2011

Endivienkuchen - Pizza di scarola, oder: Wie man Stunden vertrödelt, ohne ein einziges Wort zu schreiben.

Das tue ich jetzt schon seit Stunden. Mit der billigen Ausrede, meine Bilder vernünftig zu archivieren, klicke ich mich hier so durch die Weltgeschichte. Dabei ist das mit der Archivierung eigentlich gar keine so schlechte Idee. Du musst wissen, dass ich ein sehr komplexes Ablagesystem nutze. Fotos befinden sich auf meinem Rechner, auf einem kleinen Netbook, auf Herrn Peppinello’s Laptop, auf diversen USB-Sticks, auf einer externen Festplatte und auf meiner kleinen Kamera, die nur schäbige, verwackelte Bilder kann.

Wobei ich hier einfügen möchte, dass es wahrscheinlich an meinem Unvermögen liegt, dass die kleine Kamera mehr schlecht als recht fotografiert. Ich bezweifle, dass ich mit einer digitalen Spiegelreflexkamera nebst allem Pipa Po bessere Resultate erzielen würde. Ähnliches gilt für mein nicht vorhandenes Ablagesystem. Heute entdeckte ich, neben der Maibowle von vor zwei Jahren und einem misslungenen Sauerteig im gleichen Ordner Bilder aus dem Mönchengladbacher Fußballstadion (Bobadilla, Nordkurve, van Nistelroy…….also schon länger her gegen HSV).

Aber eigentlich suchte ich ja die Endivienpizza. Ein typisches Winteressen in (rate mal) Neapel. So.

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Bevor ich mich in Nichtigkeiten verliere, hier erst einmal die Zutaten:

Pizzateig

  • 500g Mehl
  • Wasser
  • 1 Würfel frische Hefe
  • Salz
  • Olivenöl

Füllung

  • 2 Endivien
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2-4 Sardellenfilets
  • Olivenöl
  • je eine Hand voll entsteinte grüne und schwarze Oliven
  • einige Pinienkerne und Walnüsse
  • 1 EL eingesalzene Kapern

Zunächst musst du die Zutaten für den Pizzateig verarbeiten. Ich muss das nicht. Ich gehe einfach eine Etage tiefer und klaue dem Herrn Peppinello einige seiner  kleinen Teigkugeln aus dem Kühlhaus, welche er an jedem Donnerstag so wunderbar gleichmäßig formt, wie ich es niemals könnte.(Was wäre ich nur ohne ihn….) Guck:

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Den Teig lässt du gehen, bis er seine Größe verdoppelt hat. Kommt auf die Raumtemperatur an, aber das brauche ich einem Kochblog-Leser wohl nicht zu sagen, oder? Also streich das mal.

An diesem Punkt meiner interessanten Ausführungen, kann ich mich schon nicht mehr konzentrieren. Der kleine Peppinello und sein Vater spielen nämlich genau vor meiner Nase Fußball. Immer um mich herum. (Erwähnte ich schon, dass wir in einem Sportpark leben? Da gibt es keine andere Möglichkeit, als das heimische Wohnzimmer….). Ich trommele genervt den Fingern auf der Tischplatte herum, um meinen Unmut zu zeigen. Merkt keiner. Hört niemand. Der kleine Peppinello hat neue Fußballschuhe in neon-grün. Fortwährend schreit er “Ronaldo, Ronaldo….holt aus…dribbelt….jaaaaa…Ronaldoooo…..goooool-gol-gol” (Seine erste Wahl waren natürlich die Schuhe von Lionel Messi, aber die gab es nicht in seiner Größe). Nun gut. Ein paar Minuten noch, dann streiten sie sich erfahrungsgemäß eh. Der kleine Lionel vergibt einen Elfer. Buffon (Herr Peppinello) hält. Lionel legt eine Schwalbe hin. Simuliert eine Verletzung. Fängt an zu heulen. Gibt Buffon die Schuld. Herr Peppinello kassiert den Ball. Der kleine Peppinello ist beleidigt. Warte ab. Gleich.

Wo war ich stehengeblieben?

In der Zwischenzeit die Endivien in Streifen schneiden und waschen. In einer Kasserolle dünstest du den Knoblauch mit den kleigedrückten Sardelle in Olivenöl. Dann gibst du alle anderen Zutaten dazu. Es braucht keine Flüssigkeit, die Endivien geben genug Saft ab. Dünste das Ganze unter gelegentlichem Rühren auf kleiner Hitze. Aus dem Pizzateig formst du nun kleine Platten, je nach Springformgröße. Ich nehme kleine Einwegformen von 15 cm Durchmesser und hohem Rand (auch diese geklaut in Herrn Peppinellos Küche). Es braucht je einen Boden und einen etwas kleineren Deckel. Guck am besten mal hier auf da Bild:

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Natale 2009 153 Natale 2009 156

So. nun gibst du das Gemüse (mit dem entstandenen Sud) portionsweise auf die Hefeteigböden und verschließt selbige anschließend wie oben zu sehen. Steche mit der Gabe ein paar mal in die Deckel und backe die pizze die scarola bei 200 Grad im vorgeheizten Backofen. Ach ja: etwas länger als eine halbe Stunde. (“poi vedi” - “Das siehst du dann” –Zitat Ende/Oma Peppinella)

Endivienkuchen schmecken kalt und warm.

Mit rotem oder weißem Wein.

Meine Schwiegermutter genoss sie zum Frühstück mit einigen “caffe”. Danach war ihr schlecht. Später erfuhr ich, das sie einen ganzen Kuchen allein gegessen hatte. So gegen Viertel nach Sechs morgens.

Was bin ich froh, dass ich hier endlich wieder mal was geschrieben habe. Nun muss ich es nur noch posten. Ciao.

10. Februar 2010

“Ähzezupp” – Peppinellis allein zuhause, oder: Rheinische Erbsensuppe

eigentlich wollte ich an dieser Stelle unser leckeres Rindsragout mit dunkelbrauner Soße (verfeinert mit der selbstgemachten Demi Glace) und Spätzle von heute Mittag posten. Ich schob wie immer das Kochgeschirr in der Küche hin und her und versuchte alles bestmöglich in Szene zu setzten. Und dann? Kamera-Akku leer. Naja. Dann eben das von vorgestern.

Montags hat das Fräulein Peppinella immer bis 16:00 Uhr Schule. Im katholischen Mädchengymnasium, wo sie wahrscheinlich im Religion-Unterricht lernen, Aussagen mit Schwüren auf Unterhaltungsmedien zu bekräftigen. Fräulein Peppinella findet das Essen in der Mensa zum kotzen. Zum kotzen findet sie allerdings auch Erbsensuppe.

Und der kleine Peppinello und ich lieben Erbsensuppe. Jedes Mal wenn wir auf dem Markt am Carlsplatz sind, lassen uns sämtliche kulinarischen Verlockungen kalt, denn wir essen “Ähzezupp” bei Dauser.

Weil es hier aber für niederrheinische Verhältnisse immer noch lausig kalt ist (und schneit) koche ich die Erbsensuppe für uns beide zuhause. (Das Fräulein Peppinella isst derweil in der Schulmensa Undefinierbares.)

Zutaten:

……und da fängt es dann schon an mit den Uneinigkeiten im Rheinland….bei den Zutaten. Der Kölner brät Flönz dazu, andere geben Kasseler hinein. Die Westfalen essen Erbsensuppe mit Mettwurst. Bei Dauser kommen Würstchen rein. Blutwurst ist nicht so meine Welt, also nochmal von vorne.

Zutaten:

  • 500g getrocknete Erbsen, bei mir von Müller’s Mühle
  • 3 bis 4 Kartoffeln in Würfel geschnitten
  • 2 Karotten dito
  • ¼ Knolle Sellerie dito
  • 1 große Zwiebel  dito
  • 1 Stange Porree in Scheiben
  • ½ Teelöffel Majoran – getrocknet (weder gewürfelt noch in Scheiben…)
  • 1 Lorbeerblatt
  • 1 durchwachsener Speck, gewürfelt
  • etwas Düsseldorfer Löwensenf (Kölner bitte Ohren zuhalten) 
  • 4 Wiener

    Salz und Pfeffer

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    Die Zubereitung ist denkbar simpel. Meine Lieblingszutat (ZEIT) spielt wie bei fast allem, was ich koche, auch hier die Hautrolle. Die Erbsen weiche ich über Nacht ein. Geht bei Erbsen auch ohne Einweichen, aber dann musste morgens um 7 anfangen zu kochen…. Okay, wo war ich ?

    Ach ja. Die eingeweichten Erbsen koche ich am nächsten Tag Im Einweichwasser weich. Da dauert so 2 Stunden. Dann gebe ich alle anderen Zutaten (bis auf die Würstchen und den Speck) dazu. Nachfolgend mein übliches Prozedere: Flamme auf klein. deckel schräg stellen. Warten.

    Ich habe also Zeit genug, um Dir zu erzählen, dass mir das Bloggen mit dem Netbook so richtig auf den Keks geht. Dauernd verheddere ich mich auf dieser kleinen Tastatur. Irgendwie schmerzen meine Augen, denn der Bildschirm, ist echt klein und anstrengend.

    Als der kleine Peppinello von der Schule kommt, ist er wie immer trotz Pausenbrot, Gurke, Paprika und Apfel, kurz vor dem Verhungern. Er isst vorab ein kaltes Wienerle und einige Speckwürfel. Ich rette den Rest, indem ich den Speck in einer Pfanne kross brate, die Würstchen klein schneide und dann beides schnell in den Kochtopf gebe und abschmecke.

     

    007 

    Eigentlich will ich den Rest einfrieren, aber: Der Kleine und ich essen fast alles auf. Übrig bleibt ein Portiönchen, welches ich ihm abends aufwärme. Er ist rundum glücklich. Ich bekomme ein kleines Küsschen, aber nur, weil wir alleine sind, und keiner uns sieht.

    Ach, und übrigens: Auch wenn das hier im Rheinland so Uso ist: Mit Maggi würde ich mir diese leckere Suppe niemals versauen.

    Joode Honger!!

  • 28. Oktober 2009

    Kohl war’s – Die Ripuarier schlagen zurück

    Ab und an bin ich Darth Vader. In der Welt meiner Schwiegermutter. Das personifizierte Schlechte sozusagen. Bösartig. Und das kommt so: Angenommen sie ruft an. Natürlich wissen Du und ich, dass sie anruft. Oft. Das Gespräch beginnt sie in neundunneunzig einhundert Prozent aller Fälle mit der Frage: “Was machen die Kinder?” Sie fragt das nicht in deutscher Sprache. Auch nicht italienisch. Sie spricht breitestes neapoletanisch.

    “Ke fanne’ e kreature?” (Was machen die Kinder?) und danach: “Ke stai kuschenene?” (Was kochst Du?) Anfangs – also vor mehr als zwei Jahrzehnten – hatte ich große Schwierigkeiten sie zu verstehen. Ach was. Ich verstand gar nichts, weil mir der Dialekt fremd war. Aber ich war ein braves Mädchen, gefolgsam und gelehrig und bemühte mich. Mittlerweile kann ich sogar neapoletanisch sprechen. Wenn ich hochgestochen Italienisch rede, guckt sie mich nämlich immer komisch an. Antworte ich auf Deutsch, verweigert sie oft die Antwort. Jedoch…ab und an, da reitet mich irgendwas und ich antworte ripuarisch, obwohl ich ja keine echte Ripuarierin bin, sondern nur eine “Nojemaate” (Nachgemachte). Bevor Du jetzt googelst: Ripuarisch ist nichts anderes als ordinäre rheinische Mundart. Es gibt sogar ein ripuarisches Wikipedia.

    Also…wir spulen kurz zurück. Sie fragt: “Ke stai kuschenene?”  Darauf sage ich scheinheilig: “Wersingschaffu met irdääpel dörschenanger.” Sie versteht das natürlich nicht. Also sage ich: “Endopp met Kappeswoosch”. Ich komme mir echt böse vor, wie Darth Vader. Am liebsten würde ich – schwer atmend - in den Hörer röcheln: “Komm auf die dunkle Seite, Maria…..”, wie der Lord of Sith. Ich lasse es jedoch, weil ich meistens schrecklich lachen muss, wenn sie mich beschimpft (auf neapoletanisch natürlich).

    OK. Was koche ich? Weißt Du, was Schaffu-Endopp met Kappeswoosch ist? Nicht? Dann guck mal hier:

    Wirsinggemüse mit Kohlwurst 001Das Grüne oben, das ist der “Wersingschaffu” (Wirsingkohl), links unten siehst Du die “Kappeswoosch” (Kohlwurst). Die “Irdääpel” findest Du nun von selbst. Daraus koche ich den “Endopp” (Eintopf). Hier im Rheinland wird viel “untereinander” oder “durcheinander” gekocht.

    Zutaten – sind eigentlich nicht weiter erwähnenswert:

    • 1 Wirsing, zerteilen und schneiden
    • einige Kartoffeln (bei mir Stürzelberger aus der Region) gewürfelt
    • Kohlwürste von meinem Lieblingsmetzger
    • 1 Karotte, kleingeschnitten
    • 1 Zwiebel, auch
    • Butterschmalz
    • etwas Kümmel
    • wenig Salz, Pfeffer, Wacholderbeeren

    Wirsinggemüse mit Kohlwurst 006 Wirsinggemüse mit Kohlwurst 021

    Naja. Butterschmalz erhitzen, Karotte und Zwiebeln dazugeben. Alle anderen Zutaten auch. Mit wenig Brühe angießen, Kohlwürste obendrauf legen. Dann, nix weiter. Deckel auf den Topf und langsam vor sich hin köcheln lassen, bis alles schön weich ist.

    Wirsinggemüse mit Kohlwurst 030Datt is ewwer jood, wenn ett drusse kalt wööd…. und, ähm…beim nächsten Anruf, ich schwöre es…da sage ich: “Ich bin Dein Vater, Luke Maria”…….

    Herrlich banales Gericht, oder? Ich liebe sowas. Für mich ist Essen nämlich ein Fenster in die Vergangenheit. Völlig unabgehoben. Altbewährt. (Verstehe das, wer wolle. Und wer sich angesprochen fühlt).

    10. August 2009

    Torta Pasqualina – Blätterteig-Spinat-Torte selbstgemacht….nach Anweisung des Herrn Peppinello

    Hast Du schon mal Blätterteig selbst gemacht? Ich nicht. Der einzige Arbeitsschritt, der mir dazu einfiel war: Blätterteig aus dem Tiefkühler nehmen, auspacken, antauen. Aber: An Ostern sollte sich das ändern. Wie Du ja weißt, bin ich blogtechnisch immer noch nicht mit Ostern fertig. Heute erzähle ich Dir was über die Torta Pasqalina, eine ligurische Oster-Spezialität…..mit Blätterteig….
    Ostern 2009 236
    Es ist also Ostern bei den Peppinellis. Ich frage den Herrn Peppinello schon weit vor der Kar-Woche über Blätterteig aus. Wie Du ja weißt, hat er das Backen mal gelernt. Und wie Du auch weißt, hab’ ich es nicht so damit. Also, mit dem backen, meine ich. (Wie der erfahrene Peppinella-Blog-Leser außerdem weiß, bin ich eher penetrant und er eher maulfaul, was häufiger zu Konflikten führt). Herr Peppinello lässt mich auflaufen. Ich suche in meiner kleinen Kochbuch-Sammlung herum. Ich rufe meine Schwiegermutter an. Sie weiß nichts von Ligurien. Die Genovesi können ihr gestohlen bleiben. Falls es sich ergibt, hätte sie aber gerne ein Stück von der Torta. Blätterteig (“millefoglie” – 1000 Blätter -  heißt er in Italien großkotzig) macht sie auch nie selbst. Aha. Ich finde schließlich ein Rezept im Silberlöffel. Auch hier steht lapidar “400g Blätterteig”. Ich kaufe alle Zutaten ein. Für die Füllung. Am Ostersamstag (morgens) tritt dann Mister-allwissend-aber-nix-preisgeben auf den Plan und schnarrt:
    Blätterteig
    • 500g Mehl
    • 50g Butter (warm)
    • 1 TL Salz
    • 3/8l Wasser
    • 2 EL Essig
    • 2 Pfund Butter (kalt)
    Hier –von mir- die Zutaten für die Füllung
    • knapp 2 Pfund frischer Blattspinat
    • 10 Eier
    • 300g Ricotta fresca
    • 3 EL geriebener Parmesan
    • 200 ml Sahne
    • 2 EL Paniermehl
    • Majoran
    • Salz und Pfeffer
    • Olivenöl zum Bestreichen
    “Mach schon mal aus den Zutaten den Teig. Ohne die kalte Butter natürlich”, sagt der Herr Peppinello. Okay. Ich weiß noch nicht was auf mich zukommt. Es erwartet mich eine Lehrstunde vom Feinsten. Ich lerne fürs Leben….
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    Hier siehst Du, wie ich aus allen Zutaten nach Anweisung (“ohne die kalte Butter natürlich”) einen Teig zubereitet habe. Den packe ich in Folie und stelle ihn kalt. Dann lege ich die Butter zwischen 2 Stücke Backpapier und walze sie platt. “Gleichmäßig!”, kommt das Kommando vom Sofa. Ich stehe nämlich in der Küche, und der Herr Peppinello ruft vom Wohnzimmer her die Anweisungen. Wir schreien also immer hin und her. Ich rufe öfter: “Komm gucken”, macht er aber nicht. Den Teig rolle ich zu einem Rechteck aus.
    Gleichmäßig"!
    Dann gebe ich die Butter GLEICHMÄSSIG drauf. ich knirsche mit den Zähnen. Ich tue das ab und an, wenn ich genervt bin. (Anm. der Bloggerin: Meine Zähne sind profillos. Die Knirscherschiene vom Zahnarzt ist durchgeknirscht und porös geworden.) Ich packe die Butter irgendwie in den Teig. Ich frage nicht. Dann rolle ich aus. Es ist mühselig ein Rechteck zu formen, ohne die Oberfläche zu beschädigen. Ich drücke die Ränder fest, und klappe den Teig 3fach –wie ein Kuvert, sagt er- zusammen.
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    “Das machst Du jetzt nochmal, und danach stellt Du den Teig erst mal kalt”, sagt der Herr Peppinello, “so für 15 Minuten. Danach machst Du das nochmal. Und nimm’ nicht so viel Mehl zum Ausrollen. Und dann immer so weiter…”
    “Hä?”, frage ich, “wie oft muss ich dass den machen?” Ich gehe ins Wohnzimmer. Der Bäcker räkelt sich auf dem Sofa und grinst (süffisant, ich hasse das). “Na es heißt doch millefoglie oder? Ein bisschen work-out müssen Deine Spargelärmchen schon noch.” Er gähnt. “Je mehr Du tourst, desto besser verteilt sich die Butter. Das macht doch Sinn.”
    Touren. Aha. Habe ich vorher noch nie gehört, lasse mir aber bereitwillig erklären, dass mit “Touren geben” jenes immer wieder ausrollen und aufeinander klappen gemeint ist. Sowas weiß mein Herr Peppinello. Er kann auch Brötchen “schleifen”, oder “beidarmig aufmachen” (Teigstücke zu Brötchen formen, gleichzeitig mit beiden Händen) und “schminken” und “fitschen”. Aber lassen wir das. Ich verheddere mich hier schon wieder, und gleite ab in Richtung Thema verfehlt. Trotzdem macht sich in meinem Kopf wieder mal ein unmögliches Szenario breit: Olympiasiger im Synchronformen ist….
    “Was lachst Du so blöd?”, fragt mein Goldmedaillengewinner. Ich trolle mich wortlos in die Küche. Die Viertelstunde ist um.
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    Ich gebe also im Viertelstundentakt Touren. Ich tue das, glaube ich 8 Mal. Am Schluss ist der Teig sehr dünn. Vielleicht so 4 mm. Ungefähr. Während der Touren-Pausen blanchiere ich kurz den Spinat. Die Blätter sind sehr zart. Ich hacke ihn also nicht. Dann passiere ich die Ricotta und vermenge sie mit 4 gequirlten Eiern, dem Parmesan, den Semmelbröseln und der Sahne. ich würze mit Salz und Pfeffer und gebe den Spinat und Majoran zu der Masse. Jetzt kleide ich meine eingeölte Tarte-Form mit einem Teigblatt aus, pinsele es mit Öl ein, und lege ein zweites Teigblatt darauf. Die Ränder müssen überhängen.
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    Dann fülle ich etwas mehr als die Hälfte der Spinatmischung auf den Teig (vorher einstechen) und drücke 6 kleine Mulden hinein. In jede Mulde setze ich vorsichtig ein Ei, salze und pfeffere es und gebe nun die restliche Spinatmischung darauf. Auch den übrigen (“KALT STEHEN LASSEN BIS ZUM SCHLUSS!” Ja, Chef) Teig teile ich in 2 dünne Platten und verschließe damit die Torta Pasqualina. Ich drucke die Ränder fest, steche den Teig mit der Gabel mehrmals ein und backe bei 200 Grad im vorgeheizten Ofen für etwa eine Stunde.
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    “Und warum haste den Teig nicht geschminkt?”, fragt der Herr Peppinello am Ende. Ich antworte sehr schnippisch: “Weil ich nicht wusste, ob ich dafür roten oder rosa Lippenstift nehmen sollte”. Ich muss dringend zum Zahnarzt, mir eine neue Zahnschutzschiene anpassen lassen……
    Selbst hergestellter Blätterteig schmeckt um Klassen besser als gekaufter. Ich weiß nur nicht, ob man sich diese Mühe wirklich machen sollte.
    So. ich muss zurück an die Arbeit. Hab mich weggeschlichen.

    27. Januar 2009

    Spinat, Kartoffeln, Ei - Die Hommage an eine Seelenverwandte

    Ich habe heute nur was ganz Schnelles gekocht, weil wir Handwerker im Haus haben. Wände werden neu verputzt und tapeziert. Morgen folgt der Anstrich. Nebenbei bemerkt, betreibt der Maler auch noch ein Sonnenstudio, was er mir während er arbeitete in allen Details schilderte, als ich genervt Dinge von A nach B sortierte und immer nur: "Hm...Hm...Ja...Jaaaa", sagte. Das Chaos live. Überall steht was rum. der kleine Peppinello schläft erneut in seinem Königreich bei der Nonna. Der Weg zu seinem eigenen Bett ist versperrt. Ich wollte eigentlich gar nichts posten, bis ich bei Nathalie ihr Mittagessen sah.... Und da musste ich echt grinsen.

    Ich dachte über Seelenverwandschaften nach... hatte mich der Maler doch etwas merkwürdig angesehen, als er im Vorbeigehen bemerkte, wie ich Folgendes fotografierte:


    Ich brauche wohl keine Zutaten, oder dergleichen anzugeben.....

    20. Januar 2009

    Frankfurter Nürnberger mit Wirsing und Kartoffeln vs. Inauguration Lunch

    Heute blieb nicht viel Zeit zum Kochen. Den Morgen verbrachte ich mit Hausputz. Am späten Nachmittag klebte ich vor dem Fernseher, um die offizielle Amtseinführung des 44. Präsidenten von Du-weißt-schon-wo live mit zu verfolgen. Ich fand es ziemlich ergreifend. Und bombastisch. Er hat schon eine Menge Charisma, der Mann.
    Während er nach seiner 18 minütigen Einführungsrede Herrn Bush auf dessen letzten Gang durch das Kapitol nach draußen geleitete, rannte ich zwischen Küche und TV hin und her, wendete die Würstchen und rührte im Wirsing. Dabei währe ich fast über die Playmobil-Armee (nebst schweren Geschützen) gestolpert, die der kleine Peppinello flugs nach den 21 Kanonenschüssen in D.C. in unserem Wohnzimmer postierte.
    Ziemlich zeitgleich mit dem folgenden Inauguration-Lunch aßen wir zu Abend. Side by side mit dem Kongress und Obama. Wir aßen das hier:

    Posted by Picasa

    In Washington D.C. gab es opulentere Speisen. Wenn es Dich interessiert: Hier die Menuekarte nebst Rezepten zum Download als PDF. Damit kann ich heute nicht mithalten. God bless America!
    P.S.: Mrs. Obama trug ein gelbes Ensemble, welches mich stark an die Morgenmäntel meiner 74 jährigen Mutter erinnerte. Das Outfit wurde lediglich von Aretha Franklin's Hut getoppt, wo ich allerdings einräumen muss, dass eine lebende Legende wie Frau Franklin alles tragen kann. R.E.S.P.E.C.T.

    1. Dezember 2008

    Gemüsetarte

    Ich habe mir endlich so ein Dings gekauft: eine Tarte-Form.

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    Für die Gemüsetarte brauchst du:

    250g Blätterteig (Fertigprodukt)
    einige Esslöffel Olivenöl
    rote Paprika, gewürfelt
    Zwiebeln, in Ringe geschnitten
    Zucchini, in Scheiben geschnitten
    frische Minze
    1 Becher Schlagsahne
    1 Ei
    Salz und Pfeffer

    Brate  das Gemüse nacheinander in Olivenöl an, dünste die Zwiebeln weich und gebe etwas frische Minze zu den Zucchini.
    Verquirle dann die Sahne mit dem Ei, würze mit Salz und Pfeffer und rühre die Paprika und die Zwiebeln unter.

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    Die Paprikamasse füllst Du nun in Deine Tarte-Form, die Du zuvor mit dem Blätterteig ausgelegt hast. Dann richtest Du die Zucchinischeiben darauf an.

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    Die Tarte wird bei 180° Grad im vorgeheizten Backofen für ungefähr 30 - 40 Minuten gebacken, bis der Teig fest und goldbraun ist.

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    Fertig ist wieder mal ein Abendbrot ohne Butterbrot.

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    26. November 2008

    Casereccie con zucca e spinaci - Casereccie mit Kürbis und Blattspinat

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    Ich hatte bei Bolli diese Orecchiette mit Kürbis gesehen. Hat mich inspiriert, mal was Neues auszuprobieren.
    Heute mussten die Kameraden dran glauben.
    Orecchiette hatte ich zwischenzeitlich aufgebraucht, also nahm ich Casereccie.

    Die Casereccie sind ein Produkt der Region Kalabrien (Land meiner Vorfahren). Dort heissen sie auch "Maccheroni al ferretto", benannt nach der Stricknadel ("il ferro"), um die der Nudelteig gewunden wird, und so seine typische Form erhält. Meine Casereccie sind nicht hausgemacht. Ich habe sie bei meinem Lieblings-Italiener in Köln gekauft.

    Zutaten:
    Casereccie (es geht natütlich jede andere Pastasorte, außer Buchstabennudeln...:-))
    Kürbis, in Würfel geschnitten - ich habe Hokaido genommen
    Olivenöl
    Blattspinat (TK oder frisch)
    Salz und Pfeffer
    Knoblauch und Lorbeer
    Zitronenschale
    Amarettini
    geriebener Pecorino

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    Zuerst habe ich den Kürbis mit Knoblauch und Lorbeer kräftig angebraten, danach etwas weich werden lassen und die Schale von einer halben Zitrone hineingerieben.
    Dann habe ich den Spinat kurz in der Pfanne zerfallen lassen, (es war etwas zu trocken, also schnell eine Schöpfkelle vom Nudelwasser dazu..) und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.
    Zwischenzeitlich habe ich die Casereccie al dente gekocht. Die kamen nun zum Gemüse, wo sie noch einige Minute kräftig durchgeschwenkt wurden.

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    Jetzt nur noch Pecorino und die kleingebröselten Amarettini darübergeben...ecco fatto!

    P.S.: Ich habe die Lösung für mein "Plätzchenbackproblem" gefunden, aber dazu morgen mehr!!!!