9. April 2010

Wasserschaden? Kein Problem.

Sagt die Sachbearbeitung der Versicherung Hausrat/Gebäudehaftpflicht. Keine Sorge Frau Peppinella. Ihre Gemächer werden zwar wochenlang unbewohnbar sein, aber Ihre Versicherung deckt Hotelunterbringung ab. Prima oder?

Deswegen geht es  hier in Peppinella’s Küche auch nicht weiter, weil eben jene momentan weder Zeit, noch Lust, noch Gelegenheit zum Bloggen hat. Tut mir echt leid.

Manchmal ist das leben echt Scheiße, oder?

22. Februar 2010

Die Eheleute P. aus N. am Fleischwolf, oder: Salsiccia fatta in casa – hausgemachte Fenchelsalami

Zu nachtschlafender Zeit jage ich den Herrn Peppinello aus dem Bett. Kurz nachdem die Kinder das Haus verlassen, machen wir uns auf den Weg zur Fleischer-Innung. Ich will Därme!

Wer sich jetzt schon schüttelt, der braucht gar nicht erst weiter zu lesen.

Ich will nämlich heute meine neueste Errungenschaft ausprobieren. Den KitchenAid-Fleischwolf mit Wurstfüllhorn (Wahnsinnswort!). Im Klartext: Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, eigene Salami herzustellen. Als Hülle dafür brauche ich Naturdarm, weiß aber nicht so genau welchen. Im Fleischerei-Großhandel laufe ich zunächst planlos durch die Gänge. Guck mal da. Sie verkaufen “Acqua Panna”, mein Lieblingswasser. Schwupp. Ich hieve eine Kiste in meinen Einkaufswagen. Der Herr Peppinello beanstandet das natürlich. Er ahnt, dass ich wieder 80% des Komplettsortimentes des gesamten Ladens zumindest einmal beäugen, anfassen, bestaunen werde….. In einem Riesenregal liegen unendlich viele verschiedene Kunstdärme. Naturdarm sehe ich nicht, aber einen Angestellten, der gerade wunderschöne Servietten einräumt. Ich sage brav guten Tag und frage, ob sie auch Naturdarm führen. Der Verkäufer guckt mich an, als sei ich nicht ganz bei Trost, und sagt dann: “Kommen Sie mal mit, junge Frau.” Er führt mich in eines der vielen Kühlhäuser. Tonnenweise Därme. In riesigen Abnahmemengen. Ich bin ratlos.

“Wofür brauchen Sie den?”, fragt er. Ich erkläre mein Vorhaben. Dann fragt er: “Schwein oder Schaf?” und ich antworte, äußerst geistreich: “Hä?” Er erklärt mir den Unterschied zwischen Schafsdärmen und Schweinedärmen. Schafsdärme nimmt man überwiegend für Wienerle. Ich brauche wohl Schwein. Kaliber 26/28. Das ist der Durchmesser. Mutig frage ich: “Was ist denn die kleinste Verpackungseinheit?” und schaue verzweifelt auf einige Riesenbottiche. “Ein Hank”, sagt er und grinst, “Das sind 91 Meter. Schon gewässert und gebrauchsfertig. Kosten 19,00 Euro.” Ich sage “ok” (und frage mich im Stillen, was ich mit 91 Metern Schweinedarm soll…vielleicht stranguliere ich mich damit, oder so. Oder den Herrn Peppinello bei Gelegenheit.)

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Wir erstehen außerdem noch viereinhalb Kilo Schweinenacken und eineinhalb Kilo Speck. Ich widerstehe weiteren Verlockungen (Ochsenbacke, Kalbstafelspitz) und wir machen uns auf den Heimweg, denn wir haben was vor.

Zutaten für 12 bis 14 lange halbrunde Würste:

  • 4,5 kg Schweinenacken
  • 1,5 kg durchwachsener Speck
  • Salz
  • schwarzer Pfeffer, gemahlen und ganze Körner
  • Fenchelsamen
  • gemahlene Chili
  • Rotwein

Ich kann zu den Gewürzen keine genauen Mengenangaben machen. Ich nehme so ungefähr 30 Gramm Salz pro Kilogramm Fleisch. Die anderen Zutaten dosiere ich nach eigenem Geschmack. Ich bin sparsam mit dem Chili (wegen der Kinder), geize aber nicht mit Fenchel, weil wir den sehr mögen. Beim Würzen sind wir aber noch gar nicht. Ich schneide nämlich zuerst das Fleisch in schmale Streifen, und würfele den Speck. Das Fleisch gebe ich durch die grobe Scheibe meines Fleischwolfes.

 

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Dann füge ich die Gewürze hinzu und gieße etwas Wein an. Nun Kommt der Herr Peppinello zum Einsatz. Er hat mehr Kraft als ich. Fleisch muss nämlich nun mehrfach zusammen mit dem Speck durchgeknetet werden, damit sich alle Zutaten gut vermengen. Herr Peppinello walkt so 20 Minuten in dem Fleischberg herum und sagt dabei: “Fotografier’ das jetzt mal, und schreib’ dann im Internet, dass das die Hand Gottes ist.” Ja. Mache ich, Diego Armando. Wir kosten beide mehrfach. Würzen nach. Gießen Wein dazu. Irgendwann schmeckt es richtig gut. Zeit, um nun die Dose mit den 100 Yards Schweinedarm zu öffnen. Die Fleischmasse ruht für eine halbe Stunde. Ich montiere in der Zwischenzeit das etwas größere der beiden Würstfülldinger auf den Fleischwolf.

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Irgendwie schaffe ich es auch, die winzig schmalen, aber sehr elastischen Därme darüber zu ziehen. Ich brauche Dir nicht zu sagen, wer dazu blöde Bemerkungen macht. Ich knote das untere Ende zu. Der Herr Peppinello gibt die Wurstmasse in die Maschine. ich ziehe die Salsiccia. Wir streiten uns, weil ich mit einer (fettigen) freien Hand fotografieren will. Dabei reißt der Darm. Herr Peppinello mault: “So machst Du die Kamera und die Wurst kaputt.” El nino de oro nervt. Das sage ich ihm aber nicht, denn wursten ohne zweiten Mann ist recht mühselig.

 

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Als die sechs Kilo Fleisch verwurstet sind, habe ich noch etliche Yards Schweinedarm übrig. Der Metzger im Fleischereinkauf hat mir gesagt, dass die noch 3 Monate haltbar sind, wenn ich sie ordentlich einsalze. Vor mir liegt nun ein Haufen Würste. Ich binde sie an den Enden mit Wurstgarn zu und steche sie vielfach mit einer dicken Stopfnadel an, damit Luft entweichen kann, und die Wurst trocknet. Zwei der Würste, die nun Salsiccie fresche al finocchio heißen, braten wir, und essen sie sofort (schmecken köstlich).

 

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Die anderen bleiben bis morgen bei Raumtemperatur hängen. Danach gehen sie bis Ostersonntag (schätzungsweise) bei 10 Grad in Herrn Peppinello´s Kühlhaus. Ich bin gespannt. Werde mit Sicherheit über das Gelingen (oder auch nicht) berichten. Zum Abschluss blicke ich mich in meiner verwüsteten Küche um und seufze. Der Herr Peppinello meint, ich solle mich nicht so anstellen. Ich hätte es mir ja leicht gemacht. Normalerweise wird das Fleisch nämlich nicht durch den Wolf gedreht, sondern von Hand (!!!) geschnitten. Ich liebe Dich auch, Diego. Beim nächsten mal schneidet die Hand Gottes dann das Fleisch klein……

19. Februar 2010

Jenseits der Kochtöpfe, oder: Über das Weinen (vor dem Fernseher)

Um eines gleich klarzustellen: Bei “Jenseits von Eden” vergoss ich keine einzige Träne. Jenseits aller Kochtöpfe heule ich jedoch regelmäßig vor dem Fernseher. Nicht bei Kochsendungen, obwohl ich viele davon zum heulen finde. Nein. Das ist ein blöder Anfang, also noch mal von vorne.

Im wirklichen Leben weine ich eher selten, und wenn, so geschieht das in 102% aller Fälle vor Wut. Ja, ja, es gibt einen Menschen, der mir mitunter heiße Zornestränen in die Augen treibt. Natürlich verrate ich hier nicht, wer das ist. Und natürlich bist Du sehr einfältig, und kommst nicht darauf, wen ich meine.

Vielleicht fragst Du Dich, wie ich hier überhaupt auf dieses Thema komme, wo ich doch eigentlich Ravioli mit Ziegen-Ricotta posten wollte? Ich sage es Dir: Ich habe gerade wieder hemmungslos geflennt. Im Lädchen, in Herrn Peppinello’s Küche.

Nein. Nicht was Du jetzt denkst. Der Herr Peppinello war gar nicht anwesend. Ausnahmsweise traf ihn keine Schuld. Aber: Er hat in seiner Küche so einen kleinen portablen Fernseher. Da ich allein war, und einiges für ein Fest am morgigen Tag vorbereiten musste, schaltete ich das Ding ein. Schrott auf allen Kanälen. Nach mehrfachem Umschalten landete ich auf “Phoenix”. Dort lief die x-te  Wiederholung der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Kanada. Oh oh. Das habe ich schon ein paar Mal angeschaut. Und jedes Mal geheult.

 

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Bescheuert, oder?  Schon kurz nach Beginn der Übertragung betreten das erste Mal die kanadischen Ureinwohner in traditioneller Indianer und Ainu Kleidung das Stadion, und heißen die Menschen Willkommen. Ich beginne zu schlucken.

Später wird zu bombastischer Musik gefiedelt und getanzt und ich flenne. Das schiebe ich auf die Zwiebeln, die ich gerade schneide (“Augenzwiebeln” nennt der kleine Peppinello die.) Als die georgischen Sportler einziehen bin ich allerdings schon beim Würzen der Auberginenscheiben, die Zwiebelausrede fällt weg, und ich weine wie verrückt. Bei der späteren Schweigeminute aus gegebenem Anlass auch. Dann kommen die Kanadier. Ich weine erneut, und frage mich insgeheim, ob ich noch ganz bei Trost bin. Irgendwann kriege ich mich wieder ein. Nämlich ausgerechnet als die Olympische Flagge gehisst wird. Die kanadischen Ranger (sind das Ranger?), in ihren roten Jacken und depperten Kopfbedeckungen sehen komisch aus. Sie werden begleitet von der Sängerin Measha Brueggergosman (was für ein Name!!!). Und so sieht die Frau dann auch aus. Sie trägt eine güldene Abendrobe. Schulterfrei und ärmellos. Dramatisch hebt sie immer wieder die Hände gen Himmel. Dabei wabbelt das viele Fleisch an ihren Oberarmen wie wild. Außerdem hat sie eine ganz wirre lange Kraushaarmähne (Afro-XXL). Ich denke kurz daran, dass sie sich gleich die Kleider vom Leib reißt, um dann wie Lady Godiva auf einem Pferd durch die Mengen zu galoppieren. Kurzzeitig erlebe ich einen Heiterkeitsausbruch, der sich jedoch bald wieder legt. Ich heule erneut, als Wayne Gretzky das Olympische Feuer entzündet.

Am Ende der Übertragung überlege ich, was wohl nicht mit mir stimmt. Das mit der Heulerei vor dem Fernseher war nicht immer so. Irgendwann hat es sich eingeschlichen. Als Kind und später Halbwüchsige weinte ich nie. meine Freundinnen vergossen bittere Tränen bei “Dirty Dancing” (….mein Baby gehört zu mir…) und schluchzten um die Wette mit Ryan O’Neal bei “Love Story”. Ich nicht. Soweit ich mich erinnere weinte ich lediglich bei “Roots” und “Holocaust”. Bitterlich. Nie bei Spielfilmen. Bis auf ein einziges Mal. Und das war noch nicht mal ein Spielfilm mit bekannten Hollywood-Größen sondern Zeichentrick. Und ich war kein Kind mehr, sondern schon Anfang Zwanzig. Ich schluchzte wie verrückt, als “Feivel, der Mauswanderer” völlig durchnässt auf Manhattan-Island strandete. Unter der viel zu großen Mütze seines Vaters hustete er und weinte. Immer wieder rief er verzweifelt nach seinem Papa.

 

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Da kriegte ich mich nicht mehr ein. Am liebsten hätte ich den kleinen Mäuserich adoptiert. Ich weiß, dass Du mich sowieso für ein wenig seltsam hältst. Und wahrscheinlich glaubst Du jetzt, ich wäre völlig plemm-plemm, oder? Danach habe ich nie mehr bei Filmen geweint. Tragische Szenen in Liebesfilmen lösen bei mir eher Belustigung aus.

Das regelmäßige Heulen vor dem Fernseher stellte sich bei mir, soweit ich mich erinnern kann, mit Mitte Zwanzig ein. Jeder Sender brachte Berichte über die grauenhaften Zustände in rumänischen Waisenhäusern. Ich weinte und konnte nachts nicht schlafen. Ich glaube, dass ging jedoch nicht nur mir so, oder?

Andere Gelegenheiten, bei denen mir die Tränen liefen, waren die ersten Berichte von der innerdeutschen Grenzöffnung. Ich flennte vor Rührung, und hätte am liebsten jeden Menschen der rüberkam zuhause aufgenommen. (Einziges Manko wäre die Sprachbarriere gewesen, denn der Herr Peppinello hätte einen Sächsisch-Kurs belegen müssen…)

Apropos. Den Herrn Peppinello habe ich ein einziges Mal bittere Tränen vorm Fernseher vergießen sehen. Sogar stundenlang. Ach was. Tagelang. Angefangen hat er am 3.Juli 1990. Da verlor Italien im eigenen Land das WM-Halbfinale gegen Argentinien. Und Deutschland wurde Weltmeister. Der Super-Gau!

Ansonsten fällt das Flennen bei Sportübertragungen eher in mein Ressort. Ich heulte wie ein Schlosshund, weil Roberto Baggio 1994 gegen Brasilien den letzten Elfmeter verschoss. Natürlich flossen bei mir die Tränen, als Muhammad Ali 1996, schwer von seiner Krankheit gezeichnet, bei den Olympischen Spielen in Atlanta das Feuer entzündete. Auch damit war ich sicher nicht allein. Außerdem flennte ich minutenlang vor vielen Menschen, als Andre Agassi 2006 unter Standing Ovations weinend bei den US-Open seine Karriere beendete. Vor Wut weinte ich außerdem, als die Punktrichter den Legendären Fight zwischen Henry Maske und Graciano Rocchigiani zugunsten des “Gentleman-Boxers” entschieden.

 

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Wann ich noch geheult habe vorm Fernseher? Tja. Viele Male. Fassungslos am 11. September. Natürlich. Und warte Mal, natürlich habe ich mit Elton John geheult. Bei der Trauerfeier für Lady Diana. Ergreifend und todtraurig zugleich sah ich (ebenfalls mit Tränen in den Augen), wie Papst Johannes Paul II zum Millennium krank und altersschwach die Heilige Pforte öffnete. Später weinte ich, als er starb. Während der gesamten Trauerfeier. Und dann weinte ich vor Rührung, als feststand, das Barack Obama Präsident der USA wird. Ich weinte während der Übertragung der Amtseinführung, und die kleinen Peppinellis glaubten, ich sei verrückt geworden.

Bin ich verrückt? Wen interessiert’s. Pah. Ich weine, wann und wie ich will. Vorzugsweise vorm Fernseher.