12. Januar 2010

After-Christmas-Post, die Zweite – in der Weihnachtsbäckerei: Struffoli napoletani

Bereit? Ok.

Wir tun heute mal so, als sei der 22. Dezember 2009. Vormittags. Wir stehen in meiner Küche, und ich weihe Dich in das Mysterium des “Wieso? Wie immer…” ein. Das geheimnisvolle Festessen des Herrn P. aus N. Es beginnt mit der Weihnachtsbäckerei. In Kampanien gibt es nicht diese Weihnachtsplätzchen wie hier. Neben dem Panettone, oder Pandoro (beide von den Polentoni importiert) gibt es in jedem neapolitanischen Haushalt zu Weihnachten Struffoli [:e’ schtruffele:]. Sie sind das typischste Gebäck zum Fest. Böse Zungen behaupten, dass der Ursprung dieser kleinen Kügelchen parthenopisch sei. Also aus der Zeit als Bella Napoli gegründet wurde. Von den Griechen. Wir sagen das jetzt mal nicht meiner Schwiegermutter. Ich will meine Ruhe haben.

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(Wenn ich ehrlich bin, würde ich mich in Echtzeit jetzt gerne ums Bloggen herumdrücken. Der Herr Peppinello raucht immer noch nicht. Ich leider schon. Am Rechner besonders viel, was ewig zu Diskussionen führt. Irgendwie komisch, dass mein Laster den Herrn Peppinello vor 23 Jahren noch nicht gestört hat. Vermutlich weil ich da noch keinen Rechner hatte…)

Zutaten:

  • 1 kg Weizenmehl Typ 00
  • 1 EL Zucker (Robert schreibt bei EL immer Elf, was ich entzückend finde)
  • 1 TL Salz
  • abgeriebene Schale von einer Zitrone
  • 10 Eier (ja, Du hast richtig gelesen)
  • 100g warme Butter
  • Pflanzen- oder Sonnenblumenöl zum frittieren

Außerdem:

  • 1 kg Honig
  • 4 EL Zucker

Meine Kitchen-Aid ist immer noch nicht aus Rheda-Wiedenbrück (ich hasse diesen Ort mittlerweile) zurück. Dort befindet sich die einzige Servicestation Deutschland für diese lebenswichtige Apparatur. Also knete ich den Teig von Hand.

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Ich siebe das Mehl durch, füge Salz und Zucker hinzu und reibe die Zitronenschale rein. Dann knete ich das Ganze mit der Butter und dem Zucker zu einem geschmeidigen Teig. Das dauert ungefähr 20 Minuten, in denen mir die Oberarme anschwellen (ganz zu Schweigen vom Hals). Ich seufze mehrmals leise. Dann auch laut, aber keine hört mich, denn ich bin allein zu Hause. Den Teig lasse ich 1 Stunde abgedeckt ruhen. In der Zwischenzeit bereite ich einen Hefeteig vor. Den brauche ich am nächsten Tag für andere Sache, Erfährst Du schon noch.

So. Die Stunde ist um. Ich nehme nun von dem Teig kleinere Stück ab. Daraus forme ich fingerdicke Rollen, die ich in kleine Stücke schneide. Ungefähr 1 cm. Ist gas Gleiche Prozedere wie bei Gnocchi, nur ist dieser Teig hier geschmeidige und klebt nicht. Aber genau wie bei den Gnocchi rolle und schneide ich, und der Teigberg wird nie weniger. Es dauert ewig. Ich erfinde eine neue sportliche Disziplin: Synchronrollenschneidenfrittieren.

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Man muss eben multifunktional sein, heutzutage. Ich gebe reichlich Sonnenblumenöl in meine Frittiertopf und erhitze es, bis es Bläschen schlägt. Frag mich jetzt nicht, wie viel Grad das sind. Ich schätze so 180. Mit der Fritteuse könnte ich das eher feststellen, aber ich hasse dieses Ding. es steht mit vielen anderen unnützen – von mir angeschafften Kuchengeräten – ganz oben im Schrank. (Da, wo ich nie putze, weil ich ohne Leiter nicht drankomme, und mich damit herausrede, dass ich Höhenangst habe.)

Die Struffoli frittiere ich portionsweise goldgelb, hebe sie mit dem Schaumlöffel heraus, und lasse sie auf Küchenkrepp abtropfen. Während der Weihnachtstage werde ich insgesamt 8 Rollen Küchenkrepp verbrauchen…

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Irgendwann sind alle Teigstückchen verbraten, also frittiert, meine ich. Ich schmelze nun den Honig mit dem Zucker im Wasserbad, bis er ganz dünnflüssig ist.  Damit tränke ich die Struffoli und gebe sie auf einen großen flachen Teller. Traditionsgemäß werden sie so serviert. In Ringform. Ich will wissen, wieso eigentlich, und rufe meine Schwiegermutter an. Ja. Ab und zu rufe ich sie an. Was nicht heißen soll, dass sie mich vorher nicht schon mindestens 10 Mal angerufen hat. Vor christlichen Festtagen sogar öfter…

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Genau weiß sie das auch nicht, sagt sie. L’usanza e questa. Es hat wohl was mit einer Goldkrone zu tun. Oder einem Heiligenschein. Oder dem hellen Stern (über Bethlehem zeig’ uns den Weg) Keine Ahnung. Den Teller, den Du da oben siehst, den bringe ich zu meiner Schwiegermutter. Vorher werde ich ihn mit diesen bunten kleinen Zuckerkügelchen bestreuen, denn das muss wohl so sein.

Die Struffoli für mich fülle ich in gefällige kleine Förmchen aus Papier und dekoriere sie mit farblich passenden Zuckerperlen. So sind alle zufrieden.

Struffloli sind kein kulinarisches Highlight. Sehr süß. sehr klebrig. Aber: Sie gehören in Neapel zum Weihnachtsfest, wie das Kind in die Krippe.

  • Morgen geht es weiter.
  • Bis Karneval bin ich mit Weihnachten durch.
  • Blogtechnisch.

P.S.: In Echtzeit hier die Antwort auf alle Kommentare zu meinem Post von gestern: Ich glaube, dass es viel schwerer ist ein Buch zu schreiben, als hier im Blog irgendwas hin zu kritzeln. Ehrlich. Es artet nämlich dann in Arbeit aus.

Kommentare:

  1. Die habe ich auch schon gemacht - sehr klebrig - sehr süß - aber einmal im Jahr - das paßt!

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  2. Weltmeisterin im Synchronrollenschneidenfritieren :-)
    Wenn nur ein E-Löffel Zucker im ganzen Teig ist, sind sie ja nur aussen süss, innen feinherb. Das würde sogar ich essen.

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  3. Habe das Rezept noch nicht gemacht. Werde aber schon ausprobieren. Danke für den tollen Tipp, die sehen ja echt lecker aus.

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  4. Darf ich die Zuckerperlen weglassen? Die waren mir schon als Kind ein Graus.

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  5. Also, grundsätzlich mag ich das ganze Weihnachts-Süßzeugs nicht! Aber das hier? Darf man das jetzt noch machen, oder kriegst du dann Mecker won Schwiegermama...

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  6. Hab ich die Zugabe der Eier im Rezept überlesen? Finde sie nicht ... Ich finde das hat fast was von dem türkischen in Sirup getränkten Süßzeug, von dem sogar ich nur Minimalstmengen essen kann ;-) Aber hübsch anzusehen ist es :)

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  7. liebe Peppinella, das ist alles zu lang für mich...nimm's mir nicht übel!
    Schick mir dann doch bitte ein 3 linige Zusammenfassung, ok?

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  8. Pepinnela, Du hast meine volle Bewunderung für diese Aktion !!!!...und dann noch ohne Kitchen Aid !!!
    Pfeiff auf dieses Teil und verkaufe es, wenn es aus der Reparatur zurück kommt und hole Dir die Bosch MUM 84
    Die hat im Gegenteil zur Kitchen Aid eine Leistung von 1400 W !

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  9. Das mit dem Buch machtst du so:

    Ein Jahrbuch mit den besten Posting des Blogs, oder die Themen gesondert als Buch zusammengsetellt.

    Denn du hast recht, wenn du ein"Buch-Buch" schreiben wolltest, würrdest duanders schreiben und dann wäre der Funke deiner Bolgpostings vielleicht verloren...

    Nur so, als Tip!!

    Die Struffoli sehen sehr lecker aus... und es klingt so, als ob du mindestens 912659674 Stück davon gemacht hast... :)

    Gut, dein multitasking.. sowas liegt mir meist gar nicht... :(

    Grüße ausm Norden,
    Monika

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  10. Uff, das hört sich ja doch ein bisschen nach Strafarbeit und Sisyphos an. Allerdings versüßt durch das Ergebnis :-)

    Ich halte übrigens locker bis Ostern durch!

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  11. Die schauen aber echt griechisch aus. Da sind die frittierten Nachspeisen doch auch fast immer im Sirup. Schaut aber lecker aus, was für eine Arbeit.
    Weißt du, am Anfang hat mich Roberts "Elf" total irritiert, ich fragte mich erst, was er eigentlich meint. Als dann der Groschen fiel, habe ich trotzdem beim Lesen immer kleine bezaubernde Elfen mit EL voll Salz und so herumfliegen sehen. Irre, oder?

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