27. Oktober 2009

Tarallucci napoletani - Mengenangaben nach Schwiegermutter Art (die Mengenangaben…)

So. Schluss mit der Schluderei hier im Blog. Melde mich gehorsam zurück.

Tarallucci 088

Meine Schwiegermutter konnte uns 12 Tage lang nicht halbstündlich anrufen. Nach Österreich via Handy hätte das jedes Budget gesprengt, zumal der Begriff “sich kurz fassen” nicht ihrem Naturell entspricht. Schön war’s da. Geschneit hat es tagelang, und da wir vom platten Niederrhein sowas nicht gewohnt sind, waren die weißen Massen für uns quasi gigantisch, was den Einheimischen lediglich ein müdes Grinsen entlockte.

Dabei war Österreich ja eher eine Notlösung. Das wir in den Herbstferien Urlaub machen wollten, stand schon länger fest.  Genau genommen machen wir immer in den Herbstferien Urlaub. Und immer buchen wir erst ein Woche vorher. Oder noch später. Darüber streiten der Herr Peppinello und ich dann. Er mag sich nämlich nicht “Jahrzehnte vorher festlegen” (Zitat). Und außerdem will er nach Italien. Mit dem Auto. Mit den Kindern. 2000 Kilometer. Nein. Ich kriege rote Flecken am Hals, wenn ich nur an die Elendsfahrt denke. “Lass’ uns doch fliegen,” werfe ich ein. Nein. Mit dem Flieger kann man nichts mitbringen. Keine Lebensmittel. Tonnenweise. Aus Italien. Denn hier gibt es ja nichts… Nach weiteren Tagen mit ewigen Streitereien ist dann Funkstille. “Buch doch was last-minute. In die Sonne. Mit den Kindern”, sagt er. Und ich schreie: “Es gibt nichts mehr!! Du kannst vor oder nach den Ferien buchen. Oder via Brüssel nach Ägypten fliegen. Ins Doppelzimmer mit 2 Zustellbetten. Für Fünftausend Euro 9 Tage.” Er glaubt nicht, daß man mit schulpflichtigen Kindern ein Jahr im Voraus buchen muss. Mindestens. Er schlägt am Ende sogar Antalya oder Bodrum vor. Aber da will ich nicht hin. Und auch da gibt es nichts. Außerdem bin ich wieder hysterisch. Sagt er. Irgendwann ist Familie A. zu Gast in unserem Lädchen. Sie sprechen über dieses Hotel in Oberösterreich, und als wir die Homepage desselbigen anschauen, sind sich alle einig: Da fahren wir hin. Für alle ist gesorgt. Ich nehme in 11 Tagen 3 Kilo zu. Der Herr Peppinello auch. Mindestens. Vorher streiten wir noch einige Male über das Kofferpacken. Ich drohe (wie jedes Mal) damit, dass er alleine packen muss, und das möchte ich dann mal sehen, und er weiß ja noch nicht mal wo seine Sachen im Schrank sind. Auch das ist mittlerweile Schnee von gestern. Wir sind gut erholt zurück.

Zurück daheim. Wo das Telefon ständig bimmelt. Nonna auf Entzug. Vor dem Urlaub hat sie Taralli für uns gebacken, und die will ich jetzt auch mal machen. Bisher habe ich die immer fertig gekauft, oder von ihr bekommen. Sie erzählt, dass in Neapel dieses Gebäck früher auf der Straße verkauft wurde, und zwar von einem “venditore ambulante” (fahrender Händler), nämlich dem “Tarallaro”. Heute werden die Tarallucci am liebsten in der Vorweihnachtszeit zu einem Glas Wein gegessen.

Tarallaro

Die Taralli wurden damals vom Fornaio” (Brotbäcker) aus den Resten des Brotteiges hergestellt. Günstig in der Herstellung, erschwinglich für das ärmere Volk. Der fahrender Händler packte sie, in Decken zum Decken zum Warmhalten gehüllt, in große Körbe und bot sie in den Portoni feil. Ich frage also nach den

Zutaten, und sie sagt (und ich denke):

  • 1 kg Mehl 00
  • 1 Würfel Frischhefe (kommt mir viel vor)
  • 1 Glas Olivenöl (wie groß muss das Glas sein?)
  • 1 Glas Weißwein (dito)
  • 1 Glas Wasser (dito)
  • Salz (nach Gefühl)
  • schwarzer Pfeffer (auch)
  • Fenchelsamen oder Peperoncino oder geschälte Mandeln (in unserem Fall Fenchelsamen, 3 Teelöffel)

Ich greife nun vor und korrigiere die Mengenangaben: von allen Flüssigkeiten zunächst 125 ml, wenn das nicht reicht etwas nachgießen. Nach Gefühl eben, oder : “Secondo come ti pare, poi lo vedi, no?” (Alles nach Gefühl, Du merkst das dann….)

Tarallucci 064 Tarallucci 075

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Die Kitchen-Aid vermischt alle Zutaten, und knetet vor. Dann nehme ich den Teig aus der Schüssel und walke von Hand weiter. Er ist natürlich zu trocken, ich gebe ein wenig Wasser hinzu. Und etwas Öl. Irgendwann ist er recht passabel. Er ruht abgedeckt für 1 Stunde. ich denke in der Zwischenzeit darüber nach, das 1 Würfel Hefe recht viel ist, und die Gehzeit recht kurz. Es geht aber…

Das Telefon klingelt, als ich beginne, den Teig zu verarbeiten. Ich spiele taubstumm. Vom Teig nehme ich kleinere Stücke ab und rolle sie mit der Hand in ungefähr 10 cm lange Stränge. Nicht zu dick. Dann gebe ich ihnen die Form, die Du oben auf den Bildern siehst. Aber.Bloß nicht zu dick, sie gehen im Ofen nochmal mächtig auf. A propos Ofen: Den heize ich auf 180 – 200 Grad vor. Die Teigringe kommen auf ein mit Backpapier auselegtes Blech, und backen ca. eine halbe Stunde oder: “Finche si fanno dorati e croccanti, poi vedi, no?” (Bis sie goldgelb sind, und knusprig sind. Alles nach Gefühl, das siehst Du dann…)

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Der kleine Peppinello kommt zwischenzeitlich aus der Schule (jaja, er ist jetzt ein Schulkind), schnuppert in der Diele und fragt: “Ist die Oma hier? Hier riecht es so. Was ist das? Brot?”, läuft in die Küche, späht durch die Backofentür und ruft .”Jippieh…die esse ich alle alleine!” Würde ich ihn lassen, er täte es.

P.S.: So sah es aus in Österreich, schön gell? 

Tarallucci 013

P.P.S.: Guck mal hier. Das ist ein Tarallaro…als Krippenfigur…Kitsch as Kitsch can.

Kommentare:

  1. und wir sind alle gehorsam zur Stelle und freuen uns, dass es hier nach der langen Pause weiter geht.

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  2. @robert: deine garganelli sehen göttlich aus. wie gemalt. wie machst du das eigentlich immer? alles so akkurat. ich möchte das auch mal so können...

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  3. Wo in Oberösterreich seid ihr denn gewesen???? Ich wohn doch in Linz. Wie schön wäre es gewesen einen Kaffee zusammen zu trinken!!

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  4. weia heidi..das wusste ich nicht. wir waren in windischgarsten....ein winziger ort. schade, schade, hätt' ich das gewusst.....

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  5. Nein!!! das ist nur 35 km von uns weg! Wie schade... dort bin ich nächste Woche wieder für eine Woche Patchwork

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  6. Bentornata Peppinella!
    Und ich muß gleich bei Deiner Rückkehr Partei für Herrn P. ergreifen: Nach Italien fliegen? Nein, das geht wirklich nicht. Wo soll man denn all die Lebensmittel unterbringen?
    Was glaubst Du, warum wir noch nie nach Sizilien gekommen sind? Weil der Herr der Cucina nicht so weit Auto fahren will und ich nicht ohne Auto dorthin will.
    Wir zwei sollten wohl mal einen Partnertausch ;-)) andenken.

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  7. Auch ich finde mich wieder ein :-)
    Schön wieder von dir zu lesen (mit den gewohnten LachTränen in den Augen)

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  8. Ha..ha..ha... die Reiseplanungen und -vorbereitungen kenn ich doch. Meine Kinder sagen auch, es wird ihnen schlecht, wenn sie lange Autofahren müssen. Ich kann vorher schon wochenlang nicht schlafen, wenn ich weiß, ich habe eine stundenlange Autofahrt mit quengelnden Kindern vor mir, und wenn ich im Urlaub bin, dann würde ich am liebsten sofort wieder abreisen, um die Elendsfahrt zurück schnellstmöglich hinter mich zu bringen. Da kommt Österreich natürlich gelegen. Es ist schön und es ist nah! Wir fahren auch zum Skifahren hin - super! Die Berge, die Wälder, die Täler, die Felder - wunderschön! Und wenn's dann irgendwann doch weiter in die Ferne geht, dann nur mit Flieger!

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  9. Willkommen zurück - ich freu' mich!

    Und lachen konnt ich auch schon wieder viel bei deinem Beitrag - danke! :-)

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  10. Sto morendo dalle risate! Hast du etwa unter einem Pseudonym das Drehbuch zu "Maria, ihm schmeckts nicht!" geschrieben? Ich würds dir zutrauen!

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  11. Die Kringeldinger sehen echt gut aus, mach ich auch mal. Schnee mag ich im Oktober überhaupt nicht und Herr Pepinello ist mir äußerst sympathisch...

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  12. In Windischgarsten, super, da ich auch Linzerin bin, kenn ich das gut.

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  13. Ach, wie schön, dass du uns jetzt wieder mit Blog-Nahrung versorgst.

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  14. Millione Posts, Du übetreibst....

    jetzt sitze ich, na ja bis vor anderthalb stunden noch, am Pool, schaue auf die Rhune due gar nicht schneebedeckt ist und geniesse das schöne Wetter....

    Während es in Neuss sicherlich kalt und grau ist? nein? Bis bald dann!!
    Ich hoffe, Ihr hattet eine gute Saison und seid zufrieden!

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  15. Scheinst ja wirklich gut erholt zu sein! Da sieht's aber auch wirklich schön aus, da würde ich auch zunehmen ;-)

    Ich hab mal scharfe Taralli pugliesi gemacht, die werden vor dem Backen gebrüht:
    http://peho.typepad.com/chili_und_ciabatta/2008/10/world-bread-day-08-taralli-al-peperoncino.html

    Und ei

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  16. Ich bin auf Deiner Seite, Peppinella. Auto ist das einzig richtige. Ich würde sogar von Kopenhagen nach Palermo fahren, bräuchte halt dann mind. 2 Wochen Urlaub dazu.

    Übrigends, wann sind es taralli und wann tarallucci?

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  17. nathalie - gar ncith schlecht, die idee. bis münchen würde er schaffen...mit dem auto:-)

    koch und backoase - freu mich auch, wieder mehr zeit zu haben

    kirsten - erstaunlicherweise haben die kinder überhaupt nicht gequengelt

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  18. eva - :-) Lieb!!!

    claudio - no, no...pero...chissa'..*ggg

    claus - jaja, der herr peppinello ist ein wahrer sympathieträger hier

    ellja - ach und nochmal menno. das hätte ich wissen sollen

    lavatera - ich bin immer noch grün vor neid, wegen nova scotia

    bolli - ich übertreibe nie. niemals. saison war ganz ok. freu mich auf die nächste

    petra - es gibt glaube ich nichts,, was du noch nicht gebacken hast. die tarallucci cotti kenne ich auch. hab das mal meiner schwiegermutter erzählt, aber...no no...die sind ganz ganz anders (werd sie heimlich mal machen...)

    aftensternje - mit dem auto? nach sizilien? never ever. da krieg ich nen herzkasper

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  19. Schön, dass du wieder da bist. Wir wollen auch im nächsten Jahr mit dem Auto nach Italien. Sonst kann man ja gar keine Essenssachen mitbringen...

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  20. Taralli habe ich nur einmal gemacht. Allerdings mußten sie vorher in einer Lauge schwimmen. Ich war so stolz auf sie. Sie schmeckten klasse. Schön kross. Am nächsten Tag wie Gummi. Ungenießbar.
    Ich weiß nicht, was daran falsch war. Sollte ich jemals wieder die Nerven für Taralli aufbringen, werde ich sicherlich dein Rezept (scusa, Nonnas Rezept) probieren.
    Ciao
    Alex

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  21. Hab mich getraut :)

    http://mestolo.wordpress.com/2009/11/05/nachgebacken-tarallucci-napoletani/

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